Antoni Chrono Magazin

Toledano & Chan B/1 Dazzle: Geometrie und Tarnmuster in Titan

Toledano & Chan stellt mit der B/1 Dazzle eine asymmetrische Titanuhr vor, die ein maritimes Tarnmuster in ein radikales Gehäusedesign übersetzt.

Autor
Daria Nachama
Veröffentlicht
14. Oktober 2026
Aktualisiert
17. Oktober 2026
Lesezeit
7 Min.
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Foto: HodinkeeQuelle, hodinkee.com

Neuheit in Titan Grade fünf

Toledano & Chan präsentiert am 24. Oktober die B/1 Dazzle. Die Marke überführt das bekannte asymmetrische Gehäuse der B/1-Linie in eine Variante aus Titan Grade fünf und appliziert ein vollflächiges Tarnmuster auf das Metall. Die Referenz toledano-and-chan-b1-dazzle markiert den Wechsel von glatten Architekturflächen hin zu einer rauen, visuell stark brechenden Struktur.

Die Konstruktion ordnet das gesamte Erscheinungsbild der Uhr einem strengen Gravurschema unter. Das Zifferblatt verschmilzt optisch mit dem umgebenden Rahmen. Die asymmetrische Grundform bleibt zwar unangetastet, tritt durch das neue Oberflächenfinish jedoch völlig anders auf.

Der Entwurf zeigt den Trend, unkonventionelle Gehäuseformen durch experimentelle Materialbearbeitung weiter zuzuspitzen. Die Standardversion erscheint als limitierte Edition im Segment der exklusiven Designuhren.

Asymmetrische Konstruktion

Das Gehäuse misst in der Breite exakt 33,5 Millimeter. Die Dicke variiert durch die asymmetrische Konstruktion und das massiv facettierte Deckglas signifikant zwischen 9,10 und 10,40 Millimetern. Toledano & Chan behält die ungewöhnliche Gehäusesprache der ursprünglichen B/1 bei. Diese orientiert sich unverkennbar an der kantigen, brutalistischen Architektur des New Yorker Breuer-Gebäudes. Das Gebäude beherbergte in der Vergangenheit das Whitney Museum of American Art und das Metropolitan Museum, bevor es von Sotheby's übernommen wurde. Die Krone sitzt passend zum asymmetrischen Konzept weiterhin als Destro-Konfiguration auf der linken Seite.

Das Gehäusematerial Titan Grade fünf erlaubt scharf geschnittene Kantenfolgen, die durch das überlagerte Tarnmuster noch deutlicher hervortreten. Die unregelmäßigen Blöcke des Musters entstehen in einem aufwendigen CNC-Verfahren. Jede Gravur wird im Anschluss aufgeraut und satiniert. Diese Bearbeitung erzeugt raue Flächen, die einfallendes Licht in unterschiedliche Richtungen streuen.

Ein integriertes Titanband führt diese Formensprache nahtlos fort. Die Verschmelzung von Gehäuse und Band erzeugt eine geschlossene Manschette am Handgelenk. Die abgeschrägten Kanten und das geringe Gewicht des Titans dürften den Tragekomfort im Alltag gewährleisten.

Zifferblatt und optische Auflösung

Ein markant facettiertes Saphirglas wölbt sich über das Zifferblatt. Toledano & Chan lässt die Linien der Lünette nahtlos auf die Anzeige weiterlaufen. Das Zifferblatt selbst besteht ebenfalls aus Titan und trägt exakt dieselbe Bearbeitung aus satinierten sowie diamantierten Flächen.

Dazzle-Muster sollen Kontur, Größe und Richtung eines Objekts optisch auflösen. Ein klassisches Verbergen findet bei diesem Konzept traditionell nicht statt. Auf einem Zifferblatt erschwert dieses Prinzip das schnelle Erfassen der Zeit. Die Zeiger müssen sich gegen ein unruhiges Bett aus harten Reflexionen durchsetzen. Ein Muster, das entworfen wurde, um Torpedoangriffe zu verwirren, erweist sich als äußerst effizient darin, den Träger über die aktuelle Uhrzeit im Unklaren zu lassen.

Sammler mit Vorliebe für noch lautere Kontraste finden eine parallel vorgestellte Variante namens Double Dazzle. Diese Version füllt die gravierten Flächen mit 350 natürlich besetzten Diamanten. Das ohnehin präsente Design überschreitet hier endgültig die Grenze zum reinen Schmuckobjekt. Die Standardversion ist auf 188 Exemplare begrenzt, die diamantbesetzte Variante auf lediglich zwölf Stück.

Antrieb durch etablierte Mechanik

Unter dem massiven Titanboden arbeitet ein Sellita SW100. Das kompakte Automatikkaliber ermöglicht die schlanke linke Gehäuseflanke und den Verzicht auf ein massives Werkvolumen. Die Entscheidung für ein bewährtes Großserienwerk hält den Fokus der B/1 Dazzle vollständig auf der äußeren Architektur.

Das Kaliber liefert einen verlässlichen Aufzug und sichert die Alltagsfunktionalität der Uhr. Ein flacheres Manufakturkaliber hätte die Bauhöhe möglicherweise noch weiter reduziert. Die asymmetrische Form der B/1 Dazzle benötigt jedoch exakt dieses Volumen, um ihre architektonische Wirkung überhaupt entfalten zu können.

Besitzer mit langfristiger Perspektive profitieren von der gewählten Mechanik. Jede zertifizierte Werkstatt kann das bewährte Sellita regulieren und warten.

Maritimes Erbe des Tarnmusters

Das Konzept des verwendeten Disruptive Pattern Material stammt aus der maritimen Militärgeschichte. Der britische Zoologe John Graham Kerr schlug das Prinzip im Jahr 1914 Winston Churchill vor. Abgeleitet von der natürlichen Zeichnung der Zebras erhielten Kriegsschiffe eine Bemalung mit harten, unregelmäßigen Kontrastlinien. Ziel der optischen Verzerrung war die Verwirrung feindlicher U-Boote über Geschwindigkeit und Kurs des anvisierten Schiffes.

Die Erfindung des Radars machte die Methode auf See weitgehend obsolet. Heute taucht das Prinzip vor allem in der Automobilindustrie auf, um Testfahrzeuge vor Kameras zu verschleiern. In der Uhrmacherei bleibt das Muster selten. Bulgari zeigte kürzlich eigene Interpretationen des Themas, aber Toledano & Chan treibt die physische Integration in das massive Metallgehäuse spürbar weiter.

Grenzen der zivilen Tragbarkeit

Camouflage in der Zivilkleidung balanciert oft am Rand zum Verkleidungseffekt. Seit Feldjacken aus dem Vietnamkrieg in den städtischen Alltag übergegangen sind, drohen wörtliche Zitate militärischer Ausrüstung schnell als unfreiwilliges Cosplay zu enden. Die B/1 Dazzle umschifft dieses Problem durch maximale Abstraktion. Sie greift ein historisches Muster auf und übersetzt es rein geometrisch in gefrästes Titan.

Die Konsequenz der Materialbearbeitung überzeugt vollständig. Die Uhr präsentiert sich als tragbare, brutalistische Skulptur. Das Design löst sich völlig von funktionalen Einsatzuhren. Der stärkste Einwand bleibt die stark kompromittierte Ablesbarkeit. Das asymmetrische Gehäuse verlangt ohnehin Gewöhnung am Handgelenk. Das fortlaufende Muster auf dem Zifferblatt macht einen beiläufigen Blick auf die Zeit zur aktiven Suchaufgabe.

Die Umsetzung in Titan Grade fünf bleibt dennoch ein bemerkenswerter Entwurf. Es erfordert eine sichere Hand, ein kompaktes Gehäuse derart unruhig zu bearbeiten, ohne dass es chaotisch wirkt. Die B/1 Dazzle zwingt den Betrachter zur Auseinandersetzung mit der Form.

Fazit

Die Toledano & Chan B/1 Dazzle wendet das historische Prinzip der optischen Verzerrung für einen radikalen Designentwurf. Die konsequente CNC-Gravur des Titan-Gehäuses verlangt vom Träger bewusste Kompromisse bei der Ablesbarkeit, belohnt aber mit einer völlig eigenständigen Ästhetik am Handgelenk.

Quellen

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