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Antoni Chrono Magazin

MB&F LM1 EVO: Zwei Zeitzonen im sportlichen Gehäuse

MB&F bringt die Legacy Machine 1 als kompaktere LM1 EVO mit doppelter Spirale und integriertem Kautschukband zurück.

Autor
Robert Nachama
Veröffentlicht
15.10.2026
Zuletzt geändert
30.10.2026
Lesezeit
8 Min.
MB&F LM1 EVO: Zwei Zeitzonen im sportlichen Gehäuse. Aufnahme: Ablogtowatch.
Foto: aBlogtoWatchQuelle, ablogtowatch.com

Die Rückkehr im kompakten Format

Am 13. Oktober 2026 stellt MB&F die Legacy Machine 1 in einer vollständig überarbeiteten Form als LM1 EVO vor. Die Manufaktur verkleinert das Gehäuse auf 42 Millimeter und integriert das Modell fest in ihre sportliche Familie. Ein FlexRing-Stoßdämpfer, verschraubte Kronen und ein integriertes Kautschukband ersetzen den bisherigen klassischen Auftritt. Titan Grade 5 bildet das Standardmaterial der neuen Generation. Zusätzlich fertigt das Haus eine auf 33 Exemplare limitierte Variante aus 5N Rotgold. Das neu konstruierte Handaufzugswerk liefert nun 60 Stunden Gangreserve. Die grundlegende Architektur mit zwei getrennten Zeitzonen und einer zentral fliegenden Unruh bleibt unangetastet.

Die ursprüngliche Version verschwand bereits 2017 aus dem Katalog der Marke. Ihre Rückkehr in der robusten EVO-Kollektion verändert die Raumwirkung der Uhr spürbar. Der Verzicht auf traditionelle Lederbänder lenkt den Blick auf die integrierten Bandanstöße und die glatten Flanken des Metalls. Gleichzeitig rückt die reduzierte Grundfläche die Bauteile unter dem Saphirglas optisch dichter zusammen. Die Luft zwischen den Hilfszifferblättern und dem Gehäuserand verschwindet nahezu. Das Resultat wirkt massiv. Die Uhr legt die historische Taschenuhr-Optik des Vorgängers endgültig ab.

Titanblock ohne klassische Lünette

Das Gehäuse verzichtet auf eine klassische Lünette und lässt das Saphirglas direkt aus der Basis aufsteigen. Diese Konstruktion reduziert die wahrgenommene Höhe am Arm und rückt das Werk nah an den Betrachter. Der Durchmesser von 42 Millimetern macht die Uhr an durchschnittlichen Handgelenken zugänglicher als den 44 Millimeter großen Vorgänger. Die gebogenen, kurzen Hörner führen das dicke Kautschukband steil nach unten. Ein integriertes System erlaubt den raschen Wechsel der Bänder ohne Werkzeug. Die offiziellen Pressefotos der Manufaktur lassen eine ergonomische Passform vermuten, eine eigene Trageerfahrung am Handgelenk steht noch aus.

Zwei breite Kronen flankieren das Gehäuse symmetrisch in der unteren Hälfte. Beide Bauteile schließen über ein Gewinde bündig ab und sichern eine Wasserdichtigkeit von 80 Metern. Im Inneren dämpft das FlexRing-System harte Schläge zuverlässig ab. Dieser massive stählerne Ring entkoppelt das gesamte Uhrwerk physisch vom äußeren Gehäuseblock. Der Einsatz im sportlichen Alltag erfordert folglich keine übertriebene Vorsicht mehr. Die richtige Pflege einer mechanischen Uhr beschränkt sich bei dieser Konstruktion auf das Abspülen nach Kontakt mit Salz oder Schweiß.

Lackierte Blätter unter der Kuppel

Zwei stark gewölbte, weiß lackierte Hilfszifferblätter dominieren die untere Hälfte der Ansicht. Darauf rotieren gebläute Zeiger über dicken römischen Ziffern. Der Kontrast zwischen den glänzenden traditionellen Anzeigen und der kühlen matten Titankonstruktion fällt bei jedem Lichteinfall auf. Die Konstrukteure kippen diese Blätter leicht in Richtung des Trägers. Diese angewinkelte Position erleichtert das Ablesen der exakten Zeit bei flachen Blickwinkeln.

Über dem Zentrum schwebt die mächtige Unruh an zwei hochglanzpolierten Brücken. Das Rad schwingt mit beschaulichen 18.000 Halbschwingungen pro Stunde direkt unter dem Scheitelpunkt der Glaskuppel. Bei sechs Uhr positioniert die Manufaktur eine vertikale Gangreserveanzeige. Die Ingenieure haben dieses Element für die neue Generation leicht modifiziert und ebenfalls geneigt. Eine feine Nadel wandert auf einer gebogenen Skala stetig nach oben und zeigt den aktuellen Spannungszustand der Antriebsfeder an.

Zwei Getriebe aus einem Federhaus

Die mechanische Besonderheit der Neuvorstellung liegt in der völligen Unabhängigkeit ihrer beiden Zeitzonen. Herkömmliche Reiseuhren erlauben lediglich das Verstellen eines einzelnen Stundenzeigers. Die LM1 EVO treibt dagegen zwei separate Getriebezüge aus einem einzigen Federhaus an. Besitzer stellen beide Zeiten über die jeweils zugeordnete Krone völlig frei ein. Das ermöglicht die exakte Synchronisation mit exotischen Zeitzonen, die eine halbe oder dreiviertel Stunde von der Weltzeit abweichen.

Das hauseigene Kaliber nutzt eine doppelte Straumann-Spirale für den zentralen Taktgeber. Zwei übereinanderliegende Federn atmen in entgegengesetzter Richtung und gleichen Positionsfehler der Schwerkraft effektiv aus. Nach Vollaufzug liefert das System eine nutzbare Energie für 60 Stunden. Die Finissierung der rückseitigen Bauteile erfolgt nach traditionellen Kriterien der Uhrmacherei mit polierten Kanten, großen Rubinen und tiefen Genfer Streifen. Wenn nach einigen Jahren ein Service ansteht, listet der Kostenvoranschlag der Werkstatt oftmals den enormen zeitlichen Aufwand für die Justierung dieses freiliegenden Schwingkörpers auf.

MerkmalAngabe
Durchmesser42 mm
GehäusematerialTitan Grade 5 oder 18k 5N Rotgold
Wasserdichtigkeit80 m
KaliberIn-House Handaufzugswerk
Gangreserve60 Stunden
FunktionenZwei völlig unabhängige Zeitzonen, Gangreserveanzeige
ZifferblattZwei gewölbte, weiße Lack-Hilfszifferblätter mit römischen Ziffern
BandIntegriertes Kautschukband

Lückenschluss der Legacy-Familie

Die Einführung der allerersten Legacy Machine im Jahr 2011 markierte den ersten Einsatz eines runden Gehäuses für diese Marke. Zuvor kannte der Markt das Haus ausschließlich für asymmetrische, von Raumschiffen inspirierte Konstruktionen. Nach sechs erfolgreichen Jahren endete die Produktion dieses ersten runden Modells 2017. Die Kollektion wuchs danach um deutlich komplexere Mechanismen wie den ewigen Kalender und den Chronographen. Die Einführung der speziellen EVO-Gehäuse begann erst viel später und zielte auf eine erhöhte Alltagstauglichkeit ab.

Die Rückkehr der LM1 schließt heute eine konzeptionelle Lücke im bestehenden Angebot. Sie bringt die puristischste Form der Legacy-Idee in die belastbarste Hülle der Kollektion. Im Vergleich zum kleinen Einstiegsmodell LM101 bietet sie die konkrete Funktionalität der zweiten Zeitzone für Reisende. Gegenüber den hochkomplizierten Flaggschiffen der Marke bleibt das Zifferblatt beruhigend übersichtlich. Die Entscheidung für das kleinere Format bedient zudem den anhaltenden Wunsch vieler Sammler nach tragbareren Abmessungen im Bereich der unabhängigen Uhrmacherei.

Gestalterischer Kontrast am Handgelenk

Die Verkleinerung der Bodenplatte auf 42 Millimeter rettet die Proportionen dieses Entwurfs. Die ursprüngliche Version verlangte nach einem außerordentlich kräftigen Arm. Die neue Metrik bündelt die visuelle Kraft der schwirrenden Unruh auf einer kompakteren und tragbareren Fläche. Die mechanisch getrennten Zeitzonen lösen zudem ein echtes Problem für Reisende in Regionen abseits der vollen Stunden. Der Verzicht auf die kratzempfindliche Goldlegierung beim Serienmodell macht das Tragen im Freien tatsächlich denkbar.

Die Grenze der LM1 EVO offenbart sich in einem unaufgelösten gestalterischen Widerspruch. Weiße Lackblätter mit klassischen römischen Ziffern wirken in einem wasserdichten Titanblock am dicken Kautschukband deplatziert. Die erste Generation trug ihre traditionellen Taschenuhr-Zitate an edlen Lederbändern mit einer logischen Gelassenheit. Der sportliche Mantel zwingt diese antiken Zifferblätter nun in ein Umfeld, das sie stilistisch nicht einbindet. Sammler mit einem Verlangen nach konsequenter Linienführung stoßen sich an dieser harten Vermischung der Epochen.

Häufig gestellte Fragen

Wie groß ist die neue MB&F LM1 EVO?
Das Gehäuse misst 42 Millimeter im Durchmesser. Es fällt damit spürbar kompakter aus als die ursprüngliche Legacy Machine 1, die noch 44 Millimeter in der Breite maß.
Die EVO-Modelle von MB&F verfügen über verschraubte Kronen, eine Wasserdichtigkeit von 80 Metern, ein integriertes Kautschukband und das FlexRing-System, das das Uhrwerk vor physischen Stößen schützt.
Ja, beide Hilfszifferblätter sind mechanisch völlig getrennt. Über eigene Kronen lassen sie sich minutengenau und unabhängig voneinander justieren, um auch Zonen mit Abweichungen von 30 oder 45 Minuten abzudecken.

Fazit

Der Wechsel in das EVO-Gehäuse macht aus der einst rein klassischen LM1 eine deutlich robuster proportionierte Uhr. Der harte Kontrast zwischen den traditionellen weißen Lackblättern und der modernen technischen Hülle bleibt das zentrale optische Motiv.

Quellen

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