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Breguet No. 2226 Taschenuhr: Wappen im Sprungdeckel

Die historische Breguet No. 2226 taucht in Auckland bei einer Auktion auf und trägt ein britisches Familienwappen in ihrer goldenen Schale.

Autor
Daria Nachama
Veröffentlicht
08.11.2026
Lesezeit
6 Min.

Fund in Auckland

Das Auktionshaus Webb's in Neuseeland bietet die historische Taschenuhr Breguet No. 2226 an, die nach über 170 Jahren vollständiger Abwesenheit vom Markt wieder aufgetaucht ist. Am 18. August 1853 notierte die Verwaltung am Pariser Quai de l'Horloge in ihren gewissenhaft geführten Verkaufsregistern einen Zahlungseingang von 700 Francs für diese Uhr. Der damalige Käufer taucht in den historischen Büchern lediglich mit dem knappen Eintrag als Capitaine Denny auf. Die überraschende Entdeckung schlägt eine bemerkenswerte geografische Brücke zwischen der Pariser Uhrmacherkunst und der pazifischen Geschichte.

Die Manufaktur hat den Zeitmesser seit jenem fernen Sommertag nie wieder in ihren eigenen Werkstätten gesehen oder für einen Service registriert. Der Fund liefert der Fachwelt ein weitgehend unberührtes Exemplar aus der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Solche historischen Verkaufsaufzeichnungen verdeutlichen den langen Wert einer lückenlosen Dokumentation. Die Auktion lenkt den Fokus auf ein Objekt, das seine Herkunft präzise belegt, seinen weiten Reiseweg jedoch hartnäckig verschweigt.

Glattes Gold und ein Wappen

Das Gehäuse aus massivem Gelbgold misst 47 Millimeter im Durchmesser und liegt mit spürbarem Gewicht in der Hand. Die klassische Konstruktion der Savonnette nutzt einen robusten Sprungdeckel, um das empfindliche Glas und das Zifferblatt vor harten Stößen zu schützen. Die glatte Außenseite der massiven Schale verzichtet auf Guillochierungen und überlässt allein der warmen Materialwirkung des Goldes die visuelle Führung. Die vorliegenden Auktionsbilder zeigen eine unpolierte Substanz, die das beachtliche Alter der Taschenuhr respektiert und feine Tragespuren zulässt.

Die historische Besonderheit der Uhr verbirgt sich auf der Innenseite des vorderen Deckels, wo eine meisterhaft ausgeführte Gravur ein detailliert gezeichnetes britisches Familienwappen zeigt. Ein gepanzerter Arm greift nach vollen Getreideähren, darunter verspricht ein lateinisches Motto eine reiche Ernte. Diese handwerkliche Individualisierung verwandelt einen seriellen Zeitmesser in ein persönliches Zeugnis vergangener Epochen, dessen Besitzer seine familiäre Herkunft stets bei sich trug, sicher verdeckt von der dicken Goldschicht.

Strikte Emaille

Unter dem aufspringenden Deckel offenbart die Uhr ein weißes Emaillezifferblatt, das einen optischen Kontrast erzeugt. Die Anzeige nutzt schwarze römische Ziffern, die den äußeren Rand der glatten Fläche klar strukturieren. Über das Blatt gleiten gebläute Zeiger mit der bekannten exzentrischen, durchbrochenen Ringform an der Spitze. Diese Geometrie verweist auf den Namen des Firmengründers und sorgt für klare Ablesbarkeit.

Eine kleine Sekunde verankert das Gesicht der Uhr symmetrisch auf der Sechs-Uhr-Position, während die gesamte Aufteilung der visuellen Elemente auf weitere Zusatzfunktionen verzichtet. Das Gesicht der Taschenuhr wirkt durch diesen Minimalismus aufgeräumt und zielgerichtet. Es belegt eine gestalterische Zurückhaltung, die den pragmatischen Nutzen der Zeitmessung in den Mittelpunkt rückt.

Klassische Mechanik

Die Mechanik im Gehäuseinneren erfährt durch eine zweite Staubkuvette aus Gold einen zusätzlichen Schutz vor Feuchtigkeit und den Schmutzpartikeln langer Schiffsreisen. Das arbeitende Uhrwerk verlässt sich auf eine bewährte Ankerhemmung und eine temperaturunempfindliche Kompensationsunruh. Das Spannen der Zugfeder und die Korrektur der Zeiger erfordern den traditionellen Handgriff über einen passenden Schlüssel, der bei diesem Exemplar zusammen mit der Uhr überliefert wurde.

Die Architektur des Werkes repräsentiert den funktionalen Standard, den eine internationale Kundschaft von der Werkstatt am Quai de l'Horloge erwartete. Da das Archiv keinerlei spätere Wartungen im eigenen Haus verzeichnet, mussten unabhängige Mechaniker über die vergangenen Jahrzehnte die nötige Pflege sicherstellen. Das Werk überstand Ozeanüberquerungen und militärische Einsätze lange vor der Erfindung elastischer Stoßsicherungen und blieb über Jahrzehnte mechanisch intakt.

MerkmalAngabe
MarkeBreguet
ModellTaschenuhr No. 2226
Gehäusematerial18 Karat Gelbgold
Durchmesser47 Millimeter
ZifferblattWeiße Emaille mit römischen Ziffern
ZeigerGebläute Breguet-Zeiger
AufzugSchlüsselaufzug
HemmungAnkerhemmung

Spurensuche im Kolonialreich

Zum Zeitpunkt der Übergabe an Capitaine Denny führte Louis-Clément Breguet, der technisch versierte Enkel des Gründers, die florierenden Geschäfte in Paris. Der notierte Verkaufspreis von 700 Francs entsprach damals dem kumulierten Lohn eines Pariser Handwerkers für fast sieben Monate. Verglichen mit den extrem teuren Repetieruhren der Marke handelte es sich bei diesem Exemplar um ein pragmatisches Modell. Das filigran gravierte Wappen lenkt neuseeländische Historiker auf die Spur britischer Militärs.

Ein bekannter Kapitän Richard Denny kommandierte Truppen in den neuseeländischen Kolonialkriegen, verstarb jedoch drei Jahre vor der Fertigung der Taschenuhr. Ein anderer Offizier namens Anthony Cuthbert Collingwood Denny passt vom Alter und familiären Hintergrund besser in das Profil. Ein tatsächlicher Aufenthalt dieses potenziellen Käufers im Paris des Jahres 1853 lässt sich anhand der britischen Marinearchive bislang allerdings noch nicht abschließend belegen.

Blick auf das Wesentliche

Die dichte erzählerische Qualität der historischen Breguet No. 2226 fesselt mich anhaltender als viele komplizierte Spitzenleistungen der heutigen Industrie. Das radikal reduzierte Emaillezifferblatt und das schwere Sprungdeckelgehäuse demonstrieren eine klare Zweckmäßigkeit, die reinen Schmuckuhren oft völlig abgeht. Das erhaltene Objekt liefert Anschauungsunterricht, wie langlebig eine gut durchdachte Konstruktion mit einem separaten Schlüsselaufzug bleiben kann.

Mein stärkster Einwand richtet sich gegen den ungelösten Kern der Historie, der den Markt oft zu romantischen Verklärungen verleitet. Solange die historische Forschung den genauen Käufer der Uhr nicht unzweifelhaft identifiziert, baut ein wesentlicher Teil der Faszination auf Vermutungen auf. Doch gerade dieser weiße Fleck auf der Landkarte schärft den analytischen Blick für das Vorhandene. Die goldene Savonnette fasst europäisches Handwerk und pazifische Geschichte in kompakten 47 Millimetern zusammen und überdauert dabei jede kurzlebige Designtendenz.

Fazit

Die Entdeckung der verschollenen Taschenuhr in Auckland erweitert die Geschichte der französischen Manufaktur um ein koloniales Rätsel. Der historische Fund belegt, wie stark eine verborgene Gravur den Blick auf klassische Handwerkskunst lenkt.

Quellen

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