Nachricht und Beobachtung
Am 07.11.2026 präsentieren die Pariser Uhrenmarke Archi Works und der niederländische Händler Amsterdam Vintage Watches die auf je 100 Exemplare limitierte Diplomat 1.87. Die Uhr kombiniert ein kompaktes Edelstahlgehäuse mit einem dekorierten Handaufzugswerk und einem detaillierten Sektorzifferblatt. Der erste Blick fällt unweigerlich auf die funkelnden Indexe auf dem Blatt. Acht runde Brillanten und drei rechteckige Baguette-Steine ersetzen herkömmliche Stundenmarkierungen vollständig.
Die Verwendung von im Labor gezüchteten Edelsteinen schafft einen harten Kontrast zu den sonst so klassischen Proportionen. Das gebrochene Licht der Steine zieht die Aufmerksamkeit direkt in das Zentrum der Uhr und bricht die Strenge der gedruckten Skalen. Dieser bewusste Bruch mit den Konventionen einer reinen historischen Replik macht den Entwurf eigenständig. Die Uhr ist nutzt alte Bauformen als Bühne für unerwartete Materialien.
Die Proportionen der Zeiger und die Setzung der Ringe zeigen eine tiefe Auseinandersetzung mit der Geometrie von Uhren der Vierzigerjahre. Die Gestalter haben die Flächen so aufgeteilt, dass die Schmucksteine nicht wie Fremdkörper wirken. Sie gliedern sich vielmehr organisch in das aufwendig bedruckte Zifferblatt ein.
Gehäuse und Tragewirkung
Mit einem Durchmesser von 35 Millimetern folgt das Gehäuse strengen historischen Vorgaben und ignoriert den modernen Trend zu Übergrößen vollkommen. Die Gesamthöhe von 10,05 Millimetern schrumpft auf flache 8,65 Millimeter, sobald man das stark gewölbte Saphirglas in der Betrachtung abzieht. Die dreiteilige Konstruktion des Edelstahlgehäuses trennt eine steil abfallende, hochglanzpolierte Lünette scharf von einem fein gebürsteten Mittelteil.
Die langgezogenen Hörner biegen sich elegant nach unten und formen eine harmonische Linie am Handgelenk. Die durchbohrten Anstöße erleichtern den Bandwechsel spürbar und zitieren sehr pragmatische Gehäusedetails der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Die feine Polierung der schmalen Lünettenfase reflektiert das Umgebungslicht und rahmt das Zifferblatt optisch ein. Das Profil der Uhr wirkt am Arm deutlich flacher, als die reinen Zahlenwerte vermuten lassen.
Ein Bandanstoß von 19 Millimetern schränkt die Auswahl an Zubehör auf dem freien Markt leicht ein. Im Auslieferungszustand sitzt die Uhr an einem genarbten Saffiano-Lederband des französischen Herstellers Molequin, das mit Schnellwechselstegen ausgestattet ist. Die Verjüngung des Bandes auf 16 Millimeter an der Schließe unterstützt den eleganten Auftritt der kleinen Uhr spürbar.
Zifferblatt und Ablesbarkeit
Zwei grundverschiedene Farbkonzepte ordnen das komplexe Gesicht der Uhr. Die Ausführung Aurora setzt auf einen cremefarbenen Untergrund mit einem feinen gelblichen Minutenring. Bei den Positionen 12, 3 und 9 Uhr sitzen leuchtend grüne Smaragd-Baguettes aus dem Labor auf einem gebürsteten silbernen Stundenring. Die auf den Pressebildern erkennbare feine Bürstung dieses Rings bricht harte Reflexionen auf und schafft einen matten Hintergrund für die aufgesetzten Steine.
Die Version Azure kühlt das optische Klima mit grauen Kontrastlinien und blauen Saphir-Baguettes deutlich ab. Beide Varianten lagern die Sekundenanzeige bei 6 Uhr in ein vertieftes Hilfszifferblatt aus. Der farblich abgesetzte innere Kreis dieses Registers wiederholt exakt den Ton der äußeren Minuterie. Gebläute Blattzeiger schweben über den Skalen und sorgen für einen klaren Kontrast zum hellen Grund.
Die doppelte Signatur von Amsterdam Vintage Watches schmiegt sich an die obere Rundung der kleinen Sekunde an. Direkt unter der Zwölf findet sich der dezente Schriftzug von Archi Works. Die Ablesbarkeit profitiert von der klaren Trennung der Ringe, auch wenn das Lichtspiel der Edelsteine die Position der Zeiger im ersten Moment etwas überlagern kann.
Werk und Technik
Hinter dem gravierten Saphirglasboden arbeitet das Kaliber La Joux-Perret D100. Dieses Handaufzugswerk baut auf der bewährten Architektur des Peseux 7001 auf und füllt den verfügbaren Raum im 35-Millimeter-Gehäuse optimal aus. Die Unruh schwingt mit gemächlichen 21.600 Halbschwingungen pro Stunde, was den Zeiger der kleinen Sekunde in ruhigen Schritten über das Hilfszifferblatt gleiten lässt. Voll aufgezogen reicht die Kraft der Zugfeder für 50 Stunden.
Solche bewährten Konstruktionen verlangen oft nach einer grundlegenden Pflege mechanischer Uhren in regelmäßigen Abständen. Die Macher wählten für diesen Einsatz die aufwendige Soigné-Ausführung des Handaufzugskalibers. Die Brücken tragen einen präzisen Genfer Streifenschliff, der das Licht in parallelen Bahnen bricht. Sonnengeschliffene Kanten und hochglanzpolierte Räder zeigen den hohen Aufwand in der mechanischen Werkstatt.
Thermisch gebläute Schrauben setzen kleine Farbakzente im sonst vollständig silbernen Maschinenraum. Die Bodengravur listet die Namen der beteiligten Partner auf und dokumentiert die Referenznummer. Das verschraubte Gehäuse schützt die feine Mechanik bis zu einem Druck von fünf Bar vor dem Eindringen von Wasser, was für den Alltag abseits von Schwimmbecken völlig ausreicht.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Referenz | 1.87 |
| Durchmesser | 35 mm |
| Höhe | 10,05 mm |
| Gehäusematerial | Edelstahl 316L |
| Glas | Saphirglas |
| Wasserdichtigkeit | 5 ATM |
| Kaliber | La Joux-Perret D100 (Peseux 7001 Basis) |
| Aufzug | Handaufzug |
Einordnung und Marktumfeld
Die Ziffer in der Modellbezeichnung 1.87 verweist direkt auf das Gründungsjahr 1987 von Amsterdam Vintage Watches. Der bekannte Händler übersetzt seine tägliche Erfahrung mit den seltensten historischen Stücken hier in ein physisches Produkt. Die seit 2022 bestehende Pariser Marke Archi Works liefert dafür die gestalterische und technische Infrastruktur. Das gewählte Blattlayout bedient sich bei den sogenannten Sektorzifferblättern aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Kenner historischer Modelle schätzen diese Epoche für ihre unbestechliche formale Strenge. Die Integration von künstlich gezüchteten Edelsteinen verleiht dem klassischen Entwurf eine unerwartete zeitgenössische Komponente. Das Gemeinschaftswerk reiht sich in den aktuellen Trend ein, die feine Ästhetik vergangener Jahrzehnte mit moderner Fertigungstechnik zu verbinden.
Die Limitierung auf jeweils 100 Stück sichert beiden Ausführungen eine gewisse Exklusivität im wachsenden Markt der eigenständigen Nischenanbieter. Mit der Diplomat 1.87 beweisen beide Partner, dass die Grenzen zwischen Händlern, Sammlern und Produzenten in der modernen Uhrenwelt zunehmend verschwinden.
Urteil und Bewertung
Das gemeinsame Projekt vermeidet souverän die naheliegenden Fehler vieler Retrouhren. Die Uhr verzichtet komplett auf künstlich gealterte Leuchtmasse und verlässt sich ganz auf ihre durchdachten Proportionen. Die schmale Lünette und die langen Hörner strecken das kleine Gehäuse am Handgelenk optisch. Die ungewöhnliche Kombination aus einem strengen, geometrischen Sektorenlayout und auffälligen Schmucksteinen fordert etablierte Sehgewohnheiten bewusst heraus.
Gerade diese gestalterischen Brüche machen die Diplomat interessant für Sammlungen, in denen gewöhnliche Dreizeigeruhren bereits ausreichend vertreten sind. Die Uhr traut sich, Schmuckelemente in ein eigentlich instrumentelles Layout zu integrieren. Ein ungerader Bandanstoß von 19 Millimetern zwingt jedoch zur gezielten Suche nach passenden Bändern, wenn das mitgelieferte Saffiano-Leder einmal ersetzt werden soll.
Zudem benötigt das cremefarbene oder weiße Zifferblatt viel natürliches Licht, um die tiefen Farben der laborgezüchteten Baguette-Steine vollständig zur Geltung zu bringen. Die Diplomat 1.87 bleibt ein spannendes Angebot für Menschen, die den späten Art-Deco-Stil schätzen und gleichzeitig großen Spaß an kleinen, modernen Provokationen haben.
Häufig gestellte Fragen
Wie groß ist das Gehäuse der Archi Works × AVW Diplomat 1.87?
Welches Werk treibt die Diplomat 1.87 an?
Sind die Modelle der Diplomat 1.87 limitiert?
Fazit
Die Zusammenarbeit zeigt ein tiefes Verständnis für die gelungenen Formate vergangener Jahrzehnte. Die Entscheidung für künstliche Edelsteine bringt eine erfrischende Reibung in den sonst so harmonischen Entwurf.
