Die zweite Ausgabe der IAMWATCH
Das asiatische Uhrenjahr schließt traditionell mit einer massiven Konzentration von Fachwissen ab. Vom 13.11.2026 bis zum 15.11.2026 öffnet die zweite Ausgabe der IAMWATCH in Singapur ihre Türen für das Publikum, und bringt 45 unabhängige Uhrmacher im Hotel The Singapore EDITION zusammen. Der Einzelhändler The Hour Glass versammelt dafür Konstrukteure aus aller Welt, um ihre neuesten Komplikationen erstmals der breiten Öffentlichkeit zu zeigen. Diese Veranstaltung versteht sich als greifbarer Berührungspunkt für ein Segment der Feinmechanik, das sonst oft hinter verschlossenen Werkstatttüren in abgelegenen Regionen stattfindet.
Die bisherigen Ankündigungen deuten auf zahlreiche konkrete Modellvorstellungen hin, die genau für dieses lange Wochenende vorbereitet wurden. Viele der anwesenden Ateliers nutzen die Zusammenkunft, um neue Modelle und Entwicklungen ausführlich diskutieren zu können. Besucher können die Konstrukteure direkt am Tisch ansprechen, was eine tiefgreifende Betrachtung der Uhren ermöglicht. Der Eintritt zur Veranstaltung ist nach vorheriger Registrierung vollständig kostenfrei, doch die immense inhaltliche Dichte verlangt von den Besuchern viel Ausdauer.
Rahmen und Atmosphäre vor Ort
Der äußere Rahmen der Veranstaltung bricht bewusst mit den strengen Konventionen traditioneller Fachmessen. Die Organisatoren rufen das Tragen von zwei Armbanduhren gleichzeitig als augenzwinkernden Dresscode aus. Sammler bringen ihre eigenen Stücke mit und diskutieren sie ungezwungen an den Tischen der Aussteller. Solche Begegnungen entfalten ihre Wirkung erst in der physischen Realität, in der das Gewicht eines Gehäuses oder das Spiel des Lichts auf polierten Flanken greifbar wird. Eine eigene Ansicht vor Ort schlägt dabei alle digitalen Bildwelten und abstrakten Datenblätter.
Etablierte Meister wie Kari Voutilainen, Andreas Strehler und Maximilian Büsser sitzen bei informellen Treffen direkt neben aufstrebenden Talenten wie Alexandre Hazemann und Victor Monnin. Diese besondere Dichte an handwerklichem Wissen erzeugt eine sehr persönliche Atmosphäre im Saal. Enthusiasten können ihre mitgebrachten Exemplare fundiert einordnen und im Watch Vault dokumentierte Uhren direkt mit den Konstrukteuren besprechen. Abendliche Treffen auf der Terrasse mit Livemusik lockern die intensiven technischen Fachgespräche des Tages auf.
Sonderausstellung zu George Daniels
Das optische Zentrum der Veranstaltung bildet die umfangreiche Ausstellung zum hundertsten Geburtstag von George Daniels. Unter dem Titel »The Genesis of Artisanal Watchmaking« versammelt die Schau 22 maßgebliche Taschenuhren und Armbanduhren des britischen Meisteruhrmachers. Zwei besondere historische Exponate fangen den Blick der Besucher sofort ein: Die außergewöhnlichen Taschenuhren Space Traveller I und Space Traveller II liegen zum ersten Mal überhaupt gemeinsam in den Schauvitrinen. Beide Stücke zeigen die kompromisslose Gestaltungskraft von Daniels, bei der Hilfszifferblätter und aufwendige Guillochierungen eine ausgewogene visuelle Balance auf dem Blatt halten.
Roger W. Smith begleitet die Ausstellung und erklärt die feinen Arbeitsmethoden seines früheren Mentors. Die sichtbare Evolution der Gestaltung von Daniels zu Smith belegt anschaulich, wie handwerkliche Prinzipien über Generationen hinweg weitergereicht werden. Ein begleitender Dokumentarfilm beleuchtet die komplexe Beziehung zwischen dem Lehrmeister und seinem talentierten Schüler. Das bloße Betrachten dieser Zifferblätter verdeutlicht den tiefgreifenden Unterschied zwischen industrieller Serie und echter handwerklicher Einzelanfertigung.
Mechanische Technik am Werktisch
Der maschinelle Kern der Uhrmacherei erhält bei dieser Ausgabe viel Raum für detaillierte Erklärungen. Mechanische Entwicklungen stehen im Mittelpunkt der zahlreichen Vorlesungen und praktischen Kurse. Der eidgenössisch diplomierte Uhrmachermeister Michael Dubs leitet an allen drei Publikumstagen praktische Klassen direkt am Werktisch. Teilnehmer zerlegen ein mechanisches Kaliber unter Anleitung und erlernen die grundlegenden Handgriffe an der Platine. Jeder Absolvent darf das bearbeitete Werk am Ende mit nach Hause nehmen.
Auf der theoretischen Seite analysiert Roger W. Smith die historische Entwicklung der Co-Axial Hemmung von der ersten Idee bis zur Serienreife. Der Fachautor Carlos Torres beleuchtet parallel die oft vergessenen Spezialisten der chronometrischen Präzision, die mechanische Werke für historische Observatoriumswettbewerbe regulierten. Solche technischen Tiefbohrungen erklären Konstruktionsentscheidungen weitaus besser als reine Auflistungen von Bauteilen. Besitzer können aus diesen Vorlesungen auch ableiten, wie sie ihre eigene mechanische Uhr richtig pflegen und die feinen Nuancen der Regulierung verstehen.
Netzwerke im aktuellen Marktumfeld
Die IAMWATCH positioniert sich nach ihrer Premiere im Jahr 2024 nun noch klarer als Plattform für die Vernetzung der gesamten Branche. Ein zentrales Thema der begleitenden Diskussionen lautet Interdependenz. Die Panelisten diskutieren die starke Abhängigkeit der unabhängigen Uhrmacher von Zulieferern, Gehäusebauern und Händlern. Ein Panel untersucht ganz pragmatisch die mühsamen Schritte von der ersten Skizze bis zur Markteinführung einer eigenen Marke. Die Expertenrunde spricht dabei schonungslos über Preisfindung, Kapitalbeschaffung und die Suche nach den ersten mutigen Kunden.
Ein weiteres Gespräch führt Führungskräfte von Chopard, De Bethune und Ulysse Nardin zusammen. Sie loten die komplexen Beziehungen zwischen großen Luxuskonzernen und unabhängigen Ateliers aus. Dabei wird offensichtlich, dass völlige Isolation im heutigen Marktumfeld kein erfolgreiches Konzept ist. Junge Marken wie Hazemann und Monnin profitieren stark von diesen Netzwerken und dem Austausch mit Veteranen wie Rexhep Rexhepi oder Vianney Halter. Die Messe in Singapur fungiert somit als starker Katalysator für künftige handwerkliche Allianzen.
Geballtes Wissen mit engem Zeitplan
Die Konzentration von so vielen Meistern ihres Fachs an einem einzigen Ort rechtfertigt die weite Anreise in den asiatischen Raum voll und ganz. Der direkte Zugang zu Menschen, die sonst eher isoliert an ihren Drehbänken sitzen, bietet einen immensen Mehrwert für passionierte Sammler. Die offenen Gespräche an den Tischen lösen den Mythos des einsamen Genies auf und rücken das gemeinsame handwerkliche Ringen in den Vordergrund. Man begreift schnell, dass Spitzenuhrmacherei immer eine Teamleistung verschiedener Spezialisten bleibt.
Die klare Grenze dieses offenen Formats liegt jedoch in der schieren inhaltlichen Dichte des Programms. Niemand kann an drei Tagen 45 Aussteller ausführlich befragen, komplexe historische Ausstellungen studieren und gleichzeitig an praktischen Meisterkursen teilnehmen. Besucher müssen daher harte inhaltliche Entscheidungen treffen und den Mut zur Lücke beweisen. Dennoch bleibt das Treffen ein unerlässlicher Fixpunkt für alle, die das mechanische Handwerk abseits der gewaltigen Budgets großer Häuser ernsthaft begreifen wollen.
Häufig gestellte Fragen
Wann findet die IAMWATCH 2026 statt?
Welche Uhrmacher stellen auf der IAMWATCH 2026 aus?
Was zeigt die George Daniels Ausstellung in Singapur?
Fazit
Die direkte Begegnung mit unabhängigen Konstrukteuren offenbart die echte Teamleistung hinter der feinen Uhrmacherei. Der intensive Austausch von Wissen und Technik formt ein stabiles Netzwerk, das weit über die reinen Produktdaten hinausgeht.
