Schnitt mit der Vergangenheit
Die New Yorker Marke Wren stellt im Herbst mit der Vessel eine Uhr vor, die weder rund noch klassisch eckig ist. Nach den erfolgreichen Modellen Diver One und Diver 38 Seafoam verlässt Gründer Craig Karger das vertraute Feld der historischen Taucheruhren. Die neue Uhr ist eine integrierte Stahlsportuhr mit kissenförmigem Gehäuse, die sich optisch von den bisherigen Entwürfen der Marke löst. Wer sich in unserem First Look die frühen Bilder ansieht, erkennt sofort die architektonische Ambition.
Karger hat die Vessel zusammen mit dem Designer Max Resnick entwickelt. Die zentrale Idee war es, eine moderne Sportuhr mit integriertem Band zu entwerfen, die sich nicht an den etablierten Ikonen der siebziger Jahre abarbeitet. Das Ergebnis ist auf insgesamt 300 Exemplare limitiert und bringt eine Geometrie an den Arm, die durch das Glas. Ein derart massiver Materialeinsatz bei einer jungen Marke signalisiert einen deutlichen Positionswechsel.
Stahl in Sandwich-Bauweise
Das kissenförmige Gehäuse der Wren Vessel ist aus widerstandsfähigem 904L-Edelstahl gefertigt. Es misst präzise 39 Millimeter in der Breite sowie 39 Millimeter in der Länge und hält die Bauhöhe bei flachen 10,6 Millimetern. Die Konstruktion besteht aus einem massiven Mittelteil, das zwischen zwei Metallplatten eingefasst ist. Auf der linken und rechten Seite des Gehäuses durchbrechen markante Namensplaketten die gebürsteten Flanken, die von polierten Fasen eingefasst werden.
Ein entscheidendes Detail für die Passform am Handgelenk ist die unsichtbare Architektur des Bodens. Das Gehäuse verjüngt sich zur Rückseite hin deutlich. Diese abfallende Form nimmt die Kanten des oberen Saphirglases auf und spiegelt sie in den Körper der Uhr. Dadurch liegt das Modell trotz seiner kantigen Grundfläche sehr nah am Arm und verbirgt einen Teil seiner Bauhöhe im Profil.
Negativschnitt im Saphir
Das bestimmende Merkmal der Vessel ist das speziell entwickelte Saphirglas. Es ist auf der sichtbaren Oberseite facettiert und trägt auch auf der Unterseite einen exakt berechneten Schliff. Diese innere Fläche ist als gebogenes, facettiertes Negativ der Oberseite ausgeführt. Dieser beidseitige Schliff ist in der Herstellung aufwendig und dient einem konkreten Zweck: Er minimiert optische Verzerrungen an den Kanten und hält das Blatt auch aus flachen Winkeln ablesbar. Eine zusätzliche Antireflexbeschichtung auf der Unterseite unterstützt diese Wirkung. Craig Karger und Max Resnick zeichnen für den Entwurf. Der Wechsel von der runden Taucheruhr zur Kissenform ist die eigentliche Nachricht dieser Vorstellung, und der aquablaue Rotor lässt vom Sellita-Werk nur einen schmalen Rand.
Unter dem Glas liegt wahlweise ein Zifferblatt mit feinem Sonnenschliff oder eine Scheibe aus Meteorit. Beide Varianten sind auf jeweils 150 Stück begrenzt. Ein silberfarbener Zifferblattring trägt Leuchtmasse auf den Stundenmarkierungen, die von kräftig belegten Zeigern überstrichen werden. Der hellblaue Sekundenzeiger verweist farblich auf die allererste Uhr der Marke, die Diver One Aqua, und bricht die ansonsten kühle Farbgebung auf.
Integration und Mechanik
Das integrierte Stahlband aus 904L-Edelstahl führt die Gestaltung des Gehäuses nahtlos weiter. Die ersten drei massiven Glieder setzen die vertieften Flanken der Uhr exakt fort, bevor sich das Band verjüngt. Ein markeneigenes Schnellwechselsystem ermöglicht den werkzeuglosen Tausch gegen ein Kautschukband. Der Mechanismus wird über einen unauffälligen Druckknopf an der Unterseite des Gehäuses ausgelöst. Das Band fällt nach den ersten Gliedern rasch flacher aus, was die Präsenz der Uhr am Arm ausbalanciert.
Im Inneren der Vessel arbeitet das Automatikkaliber Sellita SW300-1. Das Werk läuft mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, nutzt 25 Rubine und bietet eine solide Gangreserve von 56 Stunden. Der Saphirglasboden gibt den Blick auf das Kaliber frei, das durch einen skelettierten, runden Rotor in Wrens charakteristischem Aquablau individualisiert wurde. Das flache SW300-1 ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die komplexe Gehäusekonstruktion die Höhe von knapp elf Millimetern halten kann.
Klare Form mit Kanten
Die Vessel zeigt Mut zur Eigenständigkeit. Craig Karger und Max Resnick haben ein Design geschaffen, das durch das doppelt facettierte Glas tatsächlich aus der Masse der unzähligen Stahlsportuhren heraussticht. Der flache Aufbau und das konisch abfallende Gehäuse machen die Uhr auch an schmaleren Handgelenken tragbar, da sich die Bandanstöße geschmeidig um den Arm legen. Diese physische Präsenz beweist, dass sich ein starker Entwurf nicht hinter bekannten Vintage-Mustern verstecken muss.
Der stärkste technische Einwand bleibt die Mikrofeinverstellung in der Schmetterlingsschließe. Die Positionen bieten nur wenige Millimeter Spielraum, sind wenig intuitiv definiert und lassen sich teils hakelig bedienen. Dennoch liefert Wren hier ein beeindruckend gefertigtes Gesamtpaket für Sammler, die in ihrem ChronoVault nach einer wirklich modernen Geometrie suchen, die Glas und Stahl auf Augenhöhe verhandelt.
Häufig gestellte Fragen
Wie ist das Saphirglas der Wren Vessel konstruiert?
Ist das Stahlband der Vessel fest integriert?
Fazit
Die Wren Vessel beweist, dass eine junge Marke auch jenseits der etablierten Taucheruhren-Pfade eigenständige und tragbare Formen finden kann. Das architektonische Gehäuse und der beidseitige Glasschliff machen den Entwurf zu einem starken Statement am Handgelenk, das kleine Schwächen in der Schließe durch Charakter ausgleicht.
Quellen
- Fratello: The Wren Vessel: A Surprisingly Wearable Integrated-Bracelet Watch For The Future
- Fratello: The Wren Vessel: A Surprisingly Wearable Integrated-Bracelet Watch For The Future
- Hodinkee: Hands-On: The Wren Vessel - Hodinkee
- Wren Introduces the Vessel, a New Integrated Bracelet Sports Watch - Worn & Wound
- Wren Vessel | Faceted Sapphire Integrated Sports Watch
