Antoni Chrono Magazin

Earthen Summit MK2: Feldmuster in gebrannter Farbe

Die junge Marke Earthen führt ihre Felduhr Summit MK2 mit drei farbigen Keramikgehäusen und einem vollflächigen Leuchtzifferblatt fort.

Autor
Daria Nachama
Veröffentlicht
22. Oktober 2026
Lesezeit
9 Min.
Earthen Summit MK2: Feldmuster in gebrannter Farbe. Aufnahme: Monochrome-watches.
Foto: Monochrome-watchesQuelle, monochrome-watches.com

Farbige Keramik in der Serie

Earthen stellt Ende September 2026 drei neue Varianten der Summit MK2 vor. Das Modell misst weiterhin 38 Millimeter im Durchmesser und behält sein Gehäuse aus Vollkeramik. Die Marke tauscht die bisherigen schwarzen und weißen Schalen gegen Beige, Dunkelgrün und Dunkelblau aus.

Farbige Keramik bricht mit der strengen Instrumentenoptik einer typischen Felduhr. Das Material schluckt Lichtreflexionen deutlich anders als mattierter Stahl und gibt den gedämpften Erdtönen eine dichte Präsenz. Auf den Pressebildern zeigt sich eine ruhige, funktionale Gehäuseform. Diese wird optisch durch eine tiefe Aussparung für die übergroße Krone aufgebrochen.

Der Schritt weg vom Monochromen verleiht der Modellreihe eine starke Eigenständigkeit. Bunte Farben in harter Keramik binden immense Entwicklungsressourcen in der Produktion. Dass eine junge Marke diesen Aufwand betreibt, zeigt ein klares Vertrauen in die eigene Fertigungskette.

Licht auf matter Schale

Das Gehäuse misst moderate zehn Millimeter in der Höhe. Keramik zieht sich nahtlos über den Mittelteil und die feststehende Lünette. Das Material bietet eine enorme Härte und widersteht Kratzern beinahe vollständig. Gleichzeitig reagiert es bauartbedingt empfindlicher auf harte Schläge als konventioneller Edelstahl. Die Oberfläche bleibt matt und lenkt den Blick des Trägers sofort auf das stark gewölbte Saphirglas. Eine beidseitige Entspiegelungsschicht minimiert störende Reflexionen im direkten Sonnenlicht.

Earthern Company Summit MK2 Coloured Ceramic blue beige green 2026 update review - 6
Earthern Company Summit MK2 Coloured Ceramic blue beige green 2026 update review - 6Foto: Monochrome-watchesQuelle, monochrome-watches.com

Die gesamte Konstruktion hält einem Wasserdruck bis 100 Meter sicher stand. Die groß dimensionierte Krone sitzt in einer speziellen Vertiefung an der rechten Flanke. Sie trägt einen farbigen Gummiring, der das jeweilige gestalterische Thema der Uhr aufgreift. Bei der beigen Version namens Dune Devil leuchtet dieser Ring in einem kräftigen Orange. Die dunkelgrüne Glade setzt an dieser Stelle auf einen hellen Minzton, während die dunkelblaue Après-Bleu konsequent monochrom bleibt.

Farbige Keramik erfordert eine exakte Kontrolle der Pigmente beim extrem heißen Brennvorgang. Die konstante Farbmischung über eine gesamte Serienproduktion gilt in der Industrie als erhebliche technische Hürde. Earthen behält das Preisgefüge der vorherigen Generation exakt bei. Diese Entscheidung positioniert die Serie als äußerst aggressives Angebot im Feld der widerstandsfähigen Alltagsuhren. Die kratzfeste Schale erleichtert den unbesorgten Umgang im Gelände, auch wenn Besitzer die grundlegende Pflege einer mechanischen Uhr nicht völlig ignorieren sollten.

Tiefenwirkung und helles Licht

Das Zifferblatt der Summit MK2 weicht bewusst vom traditionellen Layout historischer Felduhren ab. Aufgesetzte, rechteckige Indizes ersetzen die arabischen Ziffern bei drei, sechs und neun Uhr. Ein markantes, umgedrehtes Dreieck markiert die Position der Zwölf. Sämtliche Indizes sind mehrschichtig im Tampondruckverfahren aufgetragen. Diese Technik erzeugt einen plastischen Effekt und hebt die Leuchtelemente deutlich vom Hintergrund ab. Eine Eisenbahnminuterie fasst das gesamte Feld am äußeren Rand ein und strukturiert die Zeitanzeige.

Die drei neuen Farbvarianten verhalten sich bei Lichteinfall völlig unterschiedlich. Dune Devil kombiniert ein braunes Hauptblatt mit einem orangefarbenen Rehaut am Rand. Après-Bleu hält sich in Dunkelblau mit cremefarbenen Zeigern und Indizes bedeckt und spielt mit einer klassischen Vintage-Wirkung. Glade fällt komplett aus der Reihe der funktionalen Ablesbarkeit. Das Blatt besteht aus einer vollflächigen Leuchtmasse, die im Dunkeln intensiv grün strahlt. Im hellen Tageslicht wirkt die Fläche blassgrün und verschmilzt fast mit dem dunkelgrünen Gehäusematerial.

Oberhalb der Sechs findet sich eine feine Grafik, die einen abfahrenden Skifahrer stilisiert. Dieses kleine Detail bricht die absolute Ernsthaftigkeit der ansonsten rein funktionalen Anzeige. Ein zentraler Sekundenzeiger mit auffällig großem Gegengewicht zieht seine konstanten Kreise über das Feld. Solche kleinen gestalterischen Brüche zeigen ein klares Verständnis für die lockere Erwartungshaltung zeitgenössischer Sammler.

Miyota treibt den Zeiger

Hinter dem massiven, gravierten Keramikboden arbeitet ein bewährtes Großserienkaliber. Earthen verbaut das automatische Miyota 9039 ohne Datumskomplikation. Das Werk schlägt mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und treibt den zentralen Sekundenzeiger wunderbar fließend an. Vier Hertz gelten in diesem Segment als Standard für einen ruhigen Gang und eine belastbare Zeitmessung bei Stößen.

Die Gangreserve liegt bei ordentlichen 42 Stunden nach Vollaufzug. Das Kaliber baut mit lediglich 3,9 Millimetern erfreulich flach. Nur dieses Maß ermöglicht die geringe Gesamthöhe der Uhr von zehn Millimetern trotz des dicken Keramikgehäuses. Ein integrierter Sekundenstopp erlaubt das präzise Einstellen der Zeit nach einem Referenzsignal. Das Werk verzichtet komplett auf eine Datumsscheibe. Dadurch entsteht beim Ziehen der Krone keine spürbare, unbelegte Zwischenposition.

Der bewusste Verzicht auf ein Schweizer Zulieferwerk hält die Gesamtkosten der Serie niedrig. Das Miyota 9039 gilt in Fachkreisen als äußerst wartungsfreundlich und langfristig zuverlässig. Bei einem nötigen Service müssen Besitzer nicht zwingend auf Originalteile eines Schweizer Konzerns warten. Diese Unabhängigkeit macht sich spätestens beim ersten Kostenvoranschlag der Werkstatt positiv bemerkbar.

MerkmalAngabe
Durchmesser38 mm
Höhe10 mm
GehäusematerialVollkeramik
GlasSaphirglas, beidseitig entspiegelt
Wasserdichtigkeit100 m
KaliberMiyota 9039
AufzugAutomatik
Frequenz28.800 A/h

Der Weg der jungen Marke

Earthen Company betrat den umkämpften internationalen Markt erst im Jahr 2025. Der ambitionierte Sammler Jonathan Chan gründete die Marke in Hongkong mit einem klaren technischen Ziel. Er wollte Vollkeramikgehäuse deutlich unter der magischen Preisgrenze von tausend Dollar etablieren. Die erste Generation der Summit etablierte die kompakten Proportionen und den ungewöhnlichen Materialmix auf Anhieb.

Die junge Serie wuchs danach in hohem Tempo. Neben den rein schwarzen und weißen Keramikgehäusen folgten schnell Sondervarianten mit funkelnden Zifferblättern aus Aventurin. Die sogenannte MK2-Plattform brachte danach feine Korrekturen an der Zifferblattsymmetrie. Die Konstrukteure ergänzten das beidseitig entspiegelte Saphirglas und schärften den Kontrast der Zeiger. Diese stetige Modellpflege zeigt eine ungewöhnlich kurze Reaktionszeit auf Kundenrückmeldungen.

Die farbigen Modelle ergänzen nun die permanente Kollektion. Sie unterliegen keiner künstlichen Limitierung, werden jedoch durch die begrenzte Produktionskapazität der aufwendigen Keramikfertigung natürlich eingebremst. Jede Uhr liefert Earthen ab Werk mit zwei farblich exakt abgestimmten Kautschukbändern aus strapazierfähigem FKM aus. Sammler können das Erscheinungsbild der Uhr so ohne zusätzliche Käufe anpassen.

Konsequenz im Material

Die Erweiterung der Farbpalette tut der Summit MK2 auf den ersten Blick spürbar gut. Farbige Keramik in dieser strengen Preisklasse ist ein seltenes Gut. Die neuen Töne verleihen dem recht nüchternen Feldchronometer-Design eine spielerische Leichtigkeit. Besonders die beige Variante Dune Devil beweist ein hervorragendes Auge für Proportion und farblichen Kontrast am Handgelenk. Die Kombination aus warmem Beige und harten, braunen Kanten funktioniert tadellos.

Das vollflächig leuchtende Zifferblatt der grünen Glade lenkt hingegen von der klaren Gehäuseform ab. Solche extremen Leuchtexperimente wirken oft wie ein lautes Gimmick, das sich im täglichen Tragen schnell abnutzt. Die tatsächliche Stärke der Uhr liegt in ihrer unauffälligen, kompakten Form und dem matten, lichtschluckenden Material. Ein ruhiges, gut ablesbares Blatt passt besser zur Werkzeugphilosophie der Kollektion.

Trotzdem liefert die Mannschaft aus Hongkong ein bemerkenswertes Gesamtpaket ab. Das widerstandsfähige Gehäuse und das flache, verlässliche Automatikwerk machen die Summit zu einem absolut belastbaren Begleiter für den groben Alltag. Bisher fanden Sammler derart bunte Schalen fast ausschließlich in weichem Kunststoff oder in der deutlich teureren Schweizer Luxuskeramik. Die aktuellen Modelle beweisen sehr greifbar, dass es eine ernsthafte, mechanische Alternative gibt.

Häufig gestellte Fragen

Welches Uhrwerk arbeitet in der Earthen Summit MK2?
Die Uhr wird vom automatischen Kaliber Miyota 9039 angetrieben. Das Werk bietet eine Frequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, einen Sekundenstopp und eine Gangreserve von 42 Stunden.
Das Gehäuse und die feste Lünette der Summit MK2 bestehen vollständig aus farbiger Keramik. Das extrem harte Material widersteht Kratzern, erfordert aber einen vorsichtigen Umgang bei Stößen.
Nein, die neuen Farbvarianten ergänzen die permanente Kollektion der Marke. Die verfügbare Menge wird lediglich durch die aktuellen Produktionskapazitäten von Earthen begrenzt.

Fazit

Die Kombination aus farbiger Keramik und kompakten Maßen schließt eine echte Lücke im Markt der robusten Alltagsuhren. Earthen beweist eindrucksvoll, dass technischer Aufwand beim Gehäusematerial nicht zwingend mit unnahbaren Einstiegshürden einhergehen muss.

Quellen

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