Antoni Chrono Magazin

Girard-Perregaux Laureato Fifty Tourbillon 39mm: Goldbrücke unter dem Stahloktagon

Girard-Perregaux integriert mit der neuen Laureato Fifty Tourbillon Micro-Rotor ein flaches Manufakturkaliber in das kompakte Gehäuse.

Autor
Robert Nachama
Veröffentlicht
26. Oktober 2026
Lesezeit
10 Min.
Girard-Perregaux Laureato Fifty Tourbillon 39mm: Goldbrücke unter dem Stahloktagon. Aufnahme: Fratellowatches.
Foto: FratellowatchesQuelle, fratellowatches.com

Nachricht und erster Eindruck

Girard-Perregaux erweitert die hauseigene Kollektion um die Laureato Fifty Tourbillon Micro-Rotor in 39 Millimetern. Das Haus präsentiert zwei eigenständige Varianten unter den neuen Nummern 99116-11-3528-1CM für die blaue Version und 99116-11-3615-1CM für die Goldausführung. Beide Modelle behalten das klassische Stahlgehäuse der etablierten Linie bei und ergänzen ein Tourbillon mit dem neu entwickelten Kaliber GP8410. Sammler lernen in solchen Momenten unweigerlich Uhrenreferenzen verstehen, sobald Manufakturen tiefgreifende technische Veränderungen unter einer vertrauten Schale verbergen. Die Integration einer großen Komplikation verändert die Lesart der Uhr sofort.

Der Blick auf die Uhr offenbart auf den Pressebildern eine strikte geometrische Symmetrie. Die Gestalter verzichten auf ein Datumsfenster und lenken die volle Aufmerksamkeit auf den Lyra-Käfig bei sechs Uhr. Licht bricht sich scharf an den facettierten Zeigern aus Weißgold und kontrastiert mit der texturierten Oberfläche. Die Proportion des runden Fensters für das Tourbillon harmoniert präzise mit der Oktagon-Form der markanten Lünette. Solche Entscheidungen ordnen die komplexe Mechanik einer unaufgeregten und ruhigen Ablesbarkeit unter.

Die Brücke über dem fliegenden Tourbillon greift historische Formen der Manufaktur auf. Constant Girard wählte bereits im neunzehnten Jahrhundert eine unverkennbare Pfeilform für seine Konstruktionen. Das aktuelle Modell übersetzt dieses Pfeilmotiv in massives Weißgold. Die polierte Pfeilspitze ruht direkt über der schwingenden Unruh. Das Bauteil strukturiert die untere Zifferblatthälfte klar durch und gibt dem Auge einen festen Halt auf dem Blatt.

Gehäuse und das Stahlband

Das Gehäuse aus Edelstahl misst 39 Millimeter im Durchmesser und bleibt bei einer Gesamthöhe von exakt zehn Millimetern. Diese Maße positionieren die Uhr im Kernbereich aktueller Tragegewohnheiten für integrierte Sportuhren. Die achteckige Lünette ruht traditionell auf einem kreisrunden Sockel, der sanft in das kantige Mittelteil übergeht. Gebürstete Flächen wechseln sich dabei mit hochglanzpolierten Kanten ab. Ein solches Profil erfordert Aufmerksamkeit bei der Pflege einer mechanischen Uhr, um den harten Wechsel der Finissierung über Jahre hinweg zu erhalten.

Ein Stahlband mit H-förmigen Gliedern verankert das Gehäuse sicher am Handgelenk. Die massiven Glieder verjüngen sich fließend bis zur verdeckten Doppelfaltschließe. Girard-Perregaux integriert eine versteckte Verlängerung, die eine präzise Anpassung um vier Millimeter zulässt. Die Wasserdichtigkeit liegt bei 50 Metern, was den sportlichen Ursprung leicht einschränkt. Das Gehäuse hält leichtem Regen stand, schließt den Einsatz beim Schwimmen aber aus.

Die Konstruktion verspricht eine ausgewogene Gewichtsverteilung. Der Verzicht auf einen zentralen Aufzugsrotor spart Volumen im Gehäuseboden und verhindert die typische Kopflastigkeit, die viele andere Modelle mit dieser Komplikation aufweisen. Das schmale Gehäusemittelteil zieht den Schwerpunkt nach unten und lässt das Oktagon dicht auf dem Arm aufliegen. Die komplexe Mechanik baut somit kaum höher als die reine Dreizeigervariante der Linie.

Emaille über dem Pyramidenmuster

Girard-Perregaux bietet das Modell in zwei stark unterschiedlichen Zifferblattvarianten an. Die erste Version trägt eine transluzente blaue Schicht aus Grand-Feu-Emaille, die über einem Weißgoldblatt mit Hufnagelmuster liegt. Die zweite Ausführung nutzt massives Roségold in 18 Karat für das gesamte Zifferblatt. Beide Blätter tragen das bekannte Clous-de-Paris-Motiv. Die kleinen Pyramiden brechen das einfallende Licht in unterschiedliche Richtungen und erzeugen eine dynamische räumliche Tiefe.

Die blaue Emaille-Version verbindet zwei traditionelle handwerkliche Techniken der Manufaktur. Der Schmelzprozess bei hohen Temperaturen erzeugt eine glatte Oberfläche, die das darunterliegende Relief je nach Lichtwinkel durchscheinen lässt. Das dunkle Blau absorbiert Streulicht und lässt die aufgesetzten Indizes hell hervortreten. Die Roségold-Variante reflektiert das Umgebungslicht direkter und wirkt deutlich wärmer. Hier verschmilzt der Ton des Blattes mit den kühlen Kanten des Gehäuses zu einem dichten Kontrast.

Massives Weißgold bildet das Ausgangsmaterial für die applizierten Stabindizes und die zentralen Zeiger. Beide Elemente tragen eine Leuchtmasse, die in der Dunkelheit blau leuchtet. Das Zifferblatt verzichtet auf überschüssigen Text oder wuchtige Rahmungen um den Tourbillonkäfig. Die architektonische Symmetrie bleibt erhalten, da der ausgeschriebene Markenname bei zwölf Uhr das optische Gegengewicht zur Hemmung bei sechs Uhr bildet.

Mikrorotor und historische Form

Das neu entwickelte Manufakturkaliber GP8410 treibt die Uhr an. Das mechanische Herzstück besteht aus 207 Einzelteilen und läuft auf 31 Lagersteinen. Eine Frequenz von 21.600 Halbschwingungen pro Stunde reguliert den Takt der Hemmung. Das entspricht drei Hertz und sorgt für ein gemächliches, sichtbares Atmen der Unruh im offenen Tourbillonkäfig. Die Konstruktion liefert Energie für 72 Stunden Laufzeit. Eine solche Gangreserve ermöglicht das Ablegen der Uhr über ein Wochenende ohne erneutes Aufziehen am Montag.

Ein Mikrorotor aus massivem 950er Platin und Roségold übernimmt den automatischen Aufzug der Zugfeder. Das Bauteil sitzt bündig in der rückseitigen Werkplatte und reduziert die Gesamthöhe des Kalibers auf 6,1 Millimeter. Die Wahl von Platin erhöht die Schwungmasse des winzigen Rotors und kompensiert den fehlenden Hebelarm einer zentralen Lösung. Eine kleine Brücke aus Roségold sichert den Rotor und nimmt erneut die historische Pfeilform der Marke auf. Die Entwickler zeigen hier einen hohen konstruktiven Aufwand für eine flache Silhouette.

Die Hemmung nutzt Bauteile aus Silizium. Das Material reduziert die mechanische Reibung an den sensibelsten Stellen der Kraftübertragung. Der Saphirglasboden gibt den Blick auf zwei großflächige Platinen aus Weißgold frei. Die Graveure der Manufaktur führen das markante Clous-de-Paris-Muster des Zifferblatts auf diesen rückseitigen Platinen fort. Die visuelle Sprache des Zifferblatts wandert damit durch das gesamte Uhrwerk hindurch.

MerkmalAngabe
Referenz99116-11-3528-1CM (Blau), 99116-11-3615-1CM (Roségold)
Durchmesser39 mm
Höhe10 mm
GehäusematerialEdelstahl
GlasSaphirglas
Wasserdichtigkeit50 m
KaliberGP8410-2574
AufzugAutomatik via Mikrorotor

Position in der eigenen Linie

Die Laureato-Linie begleitet das Haus seit ihrer Erstvorstellung im Jahr 1975 kontinuierlich. Der Entwurf folgte damals dicht auf die Royal Oak und erschien ein Jahr vor der Nautilus. Girard-Perregaux etablierte mit der markanten achteckigen Lünette einen frühen Vertreter der luxuriösen Stahlsportuhr. Die Modellreihe feierte ihren fünfzigsten Geburtstag leicht vorgezogen mit der Einführung der Laureato Fifty. Damals debütierten das kompaktere 39-Millimeter-Gehäuse und das Kaliber GP4800 als neues Fundament der Kollektion.

Das aktuelle Tourbillon-Modell integriert sich in die permanente Katalogkollektion der Marke. Die Produktion verzichtet auf eine künstliche Limitierung durch eine feste Stückzahl. Sie richtet sich nach den handwerklichen Kapazitäten der Manufaktur. Girard-Perregaux verzahnt hier die sportliche Formensprache der Siebzigerjahre mit der Haute Horlogerie des neunzehnten Jahrhunderts. Die historische Drei-Brücken-Architektur wird dafür auf eine einzelne sichtbare Brücke auf der Vorderseite reduziert.

Das Haus grenzt sich mit diesem Ausbau deutlich von den Basismodellen des Segments ab. Die Kategorie der integrierten Luxussportuhren mit großen Komplikationen verlangt technische Eigenständigkeit. Der Einsatz von Grand-Feu-Emaille, massiven Goldzifferblättern und einem vollständig neuen Werk legitimiert den Vorstoß in diese Etage. Die Laureato Fifty Tourbillon beweist, dass Girard-Perregaux seine lange Historie nutzt und das Design technisch anspruchsvoll fortschreibt.

Präzises Instrument mit Grenzen

Der Verzicht auf ein Zifferblatt mit weitreichender Skelettierung macht diese Uhr stark. Girard-Perregaux widersteht dem Drang, die Mechanik nach außen zu stülpen und das Blatt unruhig aufzubrechen. Die geschlossene Fläche des Tapisserie-Musters gibt dem Tourbillon den exakt nötigen Rahmen, um als präzises Instrument zu wirken. Das dunkle Emaille-Blatt zieht den Blick nach innen und belässt dem Stahlgehäuse seine gewohnte Strenge. Die visuelle Ruhe lenkt das Auge ungestört auf die schwingende Unruh.

Der stärkste Einwand betrifft die reduzierte Wasserdichtigkeit der Konstruktion. Eine massive Stahlsportuhr mit integriertem Band verspricht optisch eine große Robustheit im täglichen Einsatz. Der geprüfte Wert von 50 Metern zwingt zur Vorsicht am Wasser. Das filigrane Tourbillon verlangt offensichtlich Tribut bei der Gehäusekonstruktion. Die Uhr wird dadurch eher zu einem empfindlichen Schaugefäß für die Mechanik.

Die exzellenten Proportionen gleichen dieses funktionale Manko wieder aus. Zehn Millimeter Bauhöhe bei 39 Millimetern Durchmesser bilden das ideale Maß für genau diese Gehäuseform. Die Uhr wächst nicht in die Breite, nur um die zusätzliche technische Komplexität unterzubringen. Girard-Perregaux beweist ein feines Gespür für das richtige Volumen. Die Laureato Fifty Tourbillon liefert eine architektonisch durchdachte Erweiterung der historischen Linie ab.

Häufig gestellte Fragen

Welche Gangreserve bietet das neue Kaliber GP8410?
Das automatische Manufakturkaliber GP8410 speichert Energie für 72 Stunden Laufzeit. Der Aufzug erfolgt über einen Mikrorotor aus 950er Platin und Roségold.
Die äußeren Abmessungen bleiben mit 39 Millimetern Durchmesser und zehn Millimetern Bauhöhe identisch zur reinen Dreizeigeruhr. Die Wasserdichtigkeit sinkt jedoch bei den Modellen mit Tourbillon auf 50 Meter.
Girard-Perregaux limitiert die Modelle nicht auf eine feste Stückzahl. Die laufende Produktion wird stattdessen durch die handwerklichen Fertigungskapazitäten der Manufaktur begrenzt.

Fazit

Girard-Perregaux nutzt die etablierte Form der Laureato als stringente Bühne für feine Handwerkskunst. Die Uhr verbindet eine klare visuelle Symmetrie mit der mechanischen Tiefe eines anspruchsvoll konstruierten Manufakturwerks. Die formale Strenge der Stahlsportuhr rückt das Tourbillon in den Mittelpunkt, ohne das kompakte Gehäusevolumen zu sprengen.

Quellen

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