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JM Fleury Chronograph Openwork und das freigelegte Kaliber FM04

Mit dem Chronograph Openwork präsentiert Fleury ein Titangehäuse, das den Blick auf das vergrößerte Kaliber FM04 und eine neue Datumsanzeige freigibt.

Autor
Robert Nachama
Veröffentlicht
08.11.2026
Lesezeit
7 Min.

Titan und Saphirglas

Am 06.11.2026 präsentiert Fleury Manufacture den JM Fleury Chronograph Openwork. Die Modellneuheit baut auf dem bekannten geschlossenen Chronographen FXR-4 auf und verändert die Zifferblattarchitektur grundlegend. Das 40-Millimeter-Gehäuse besteht nun aus Grade-23-Titan. Saphirglaselemente ersetzen das durchgehende Zifferblatt und legen die anthrazitbeschichtete Werkplatte großflächig frei.

Neu hinzu kommt eine Datumsanzeige bei der Sechs. Diese Konstruktion integriert eine Tag-Nacht-Indikation unter einem Hilfszifferblatt aus Saphirglas. Ein dedizierter Korrekturdrücker bei der Acht erlaubt den schnellen Datumswechsel. Die Anzeige orientiert den Träger dabei über die korrekte Tageshälfte während der Zeiteinstellung.

Die Modifikation der Zifferblattseite rückt die Finissierung der Bauteile in das Zentrum der Gestaltung. Ein vollständiger Verzicht auf das Zifferblatt findet jedoch nicht statt. Die offene Hauptplatte dient weiterhin als strukturierender Hintergrund für die verbleibenden Anzeigen.

Proportionen am Handgelenk

Das Gehäuse aus Grade-23-Titan bestimmt die Tragewirkung maßgeblich. Mit 40 Millimetern Durchmesser und einer präsenten Bauhöhe fällt die Konstruktion im Segment der traditionell inspirierten Chronographen voluminös aus. Das leichte Material gleicht dieses Volumen am Handgelenk aus und sorgt für eine ausgewogene Gewichtsverteilung.

Draufsicht auf das skelettierte Zifferblatt mit Gehäuse und Lederarmband
Draufsicht auf das skelettierte Zifferblatt mit Gehäuse und LederarmbandFoto: SJXQuelle, watchesbysjx.com

Die Bedienung von Krone und Drückern liefert einen festen, definierten Widerstand. Diese mechanische Abstimmung distanziert sich bewusst von der feingliedrigen Haptik historischer Vorbilder. Der feste Druckpunkt vermittelt stattdessen eine robuster ausgelegte Konstruktion.

Die Ausführung der Gehäusekanten und Hörner folgt einer zeitgemäßen Ästhetik. Anstatt historische Vorlagen exakt zu kopieren, ordnet sich das Design den Dimensionen des vergrößerten Uhrwerks unter. Die Entscheidung für Titan bricht zusätzlich mit der klassischen Erwartung an ein Edelmetallgehäuse in dieser Werkkategorie.

Sichtbare Mechanik

Die Zifferblattseite ordnet Ablesbarkeit und Einblick neu. Die teilskelettierte Hauptplatte aus Neusilber bildet einen kontrastreichen Hintergrund für die dezentralen Saphirglasscheiben. Bei der Neun dominiert eine massive, schwarzpolierte Stahlbrücke für das Gehwerk die linke Hälfte der Anzeige. Dieser großzügige Einsatz von poliertem Stahl auf der Zifferblattseite greift Elemente der britischen Uhrmacherei auf.

Unabhängige Hersteller nutzen zunehmend invertierte Kaliberarchitekturen und transparente Zifferblätter, um ihre Finissierung nach außen zu tragen. Der Chronograph Openwork wählt einen Mittelweg zwischen klassischem Zifferblatt und vollständiger Skelettierung. Genügend Material der Hauptplatte bleibt erhalten, um den Anzeigen einen ruhigen Rahmen zu geben.

Das Sichtfenster unter dem Hilfszifferblatt bei der Sechs ordnet das Datum präzise ein. Die gläsernen Elemente weisen aufgedruckte Skalen auf, die im richtigen Winkel deutliche Kontraste zur darunterliegenden Mechanik bilden. Die Lesbarkeit der gestoppten Zeit erfordert durch die vielschichtige Konstruktion etwas mehr Aufmerksamkeit als bei einem flächig lackierten Zifferblatt.

MerkmalAngabe
Durchmesser40 mm
GehäusematerialGrade-23-Titan
ZifferblattSaphirglaselemente, teilskelettiert
KaliberFM04
AufzugHandaufzug
Frequenz21.600 A/h
FunktionenStunden, Minuten, kleine Sekunde, Chronograph, Datum, Tag-Nacht-Anzeige
BandLederband mit Dornschließe aus Edelstahl

Das Handaufzugskaliber FM04

Das Handaufzugskaliber FM04 bildet das mechanische Zentrum der Konstruktion. Die Architektur greift die Struktur des bekannten Lemania 2310 auf und skaliert sie von ursprünglich 27 Millimetern auf zeitgemäße 32,5 Millimeter. Diese Vergrößerung optimiert den Abstand der Hilfszifferblätter auf der Vorderseite und füllt den Gehäuseboden aus.

Nahaufnahme des offenen Zifferblatts mit Blick auf das Uhrwerk und Hilfszifferblätter
Nahaufnahme des offenen Zifferblatts mit Blick auf das Uhrwerk und HilfszifferblätterFoto: SJXQuelle, watchesbysjx.com

Ein wesentliches technisches Update betrifft das Antriebsrad des Chronographen. Im FM04 sitzen sowohl dieses Antriebsrad als auch das Sekundenrad unter einer gemeinsamen Brücke. Diese Konstruktion integriert die Kupplung nahtlos in das Gehwerk. Andere unabhängige Konstrukteure wählten für ihre Interpretationen historischer Valjoux-Werke bereits ähnliche Optimierungen.

Die Materialwahl belegt den Fokus auf Langlebigkeit. Die anthrazitbeschichteten Platten und Brücken bestehen aus Neusilber. Der S-förmige Kupplungshebel ist aus schwarzpoliertem Stahl gefertigt. Die Erzeugung einer gleichmäßigen Schwarzpolitur über einen derart langen Hebel gilt in der Bearbeitung als äußerst anspruchsvoll. Die Unruh schwingt mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde an einer Spirale ohne Endkurve.

Vom Zulieferer zur Manufaktur

Jean-Marc Fleury überführt mit dieser Konstruktion seine jahrzehntelange Erfahrung aus der Zulieferindustrie in eine eigene Modelllinie. Während seiner Dekade bei Patek Philippe begleitete er die Produktion des CH 27-70, das ebenfalls auf dem Lemania-Rohwerk basierte. Spätere Stationen umfassten leitende Funktionen bei BNB Concept und der Komponentenfertigung Microedge.

Mit der 2017 gegründeten Suisse Précision Composants produzierte Fleury zunächst kritische Bauteile für andere unabhängige Uhrmacher. Diese industrielle Basis ermöglicht heute die Fertigung eigener Uhren. Der Chronograph Openwork bezieht seine Unruh, das Ankerrad und den Anker aus dieser hauseigenen Fertigung.

Die Verlagerung der Kapazitäten auf eigene Modelle zeigt einen strategischen Wandel. Während die Zulieferung an externe Marken abnimmt, etabliert sich Fleury Manufacture im Markt der unabhängigen Konstrukteure. Die technische Substanz des FM04 positioniert die Uhr dabei als ernstzunehmende Alternative zu ähnlich bepreisten Dreizeigeruhren anderer Manufakturen.

Industrielle Präzision als Stärke

Die technische Stärke des JM Fleury Chronograph Openwork liegt in der sichtbaren Beherrschung der Komponentenfertigung. Die Modifikation des Antriebsrads und der vollständig in der Manufaktur gefertigte Hemmungsbereich zeugen von tiefem Konstruktionsverständnis. Eine hohle Welle am zentralen Chronographenrad deutet zudem auf eine geplante Schleppzeiger-Variante hin, was die vorausschauende Anlage des Werks belegt.

Die breiten Fasen der Werkbrücken markieren die Grenze dieser industriellen Perfektion. Die mit rotierenden Diamantwerkzeugen geschnittenen Kanten liefern absolut reproduzierbare und scharfe Ergebnisse, zeigen jedoch unter bestimmten Winkeln leichte Bearbeitungsspuren. Diese Herangehensweise verzichtet auf die weiche, unregelmäßige Anmutung einer manuellen Holzpolitur.

Das Titangehäuse macht den vergrößerten Chronographen im Alltag tragbar. Die Kombination aus historischer Architektur, modernisierten Dimensionen und teilskelettierter Zifferblattseite spricht Sammler an, die mechanische Komplexität offen sichtbar am Handgelenk tragen möchten.

Häufig gestellte Fragen

Welches Gehäusematerial nutzt der JM Fleury Chronograph Openwork?
Das 40-Millimeter-Gehäuse besteht aus Grade-23-Titan. Dieses Material sorgt trotz der präsenten Gehäuseproportionen für ein geringes Gewicht am Handgelenk.
Das Handaufzugskaliber FM04 nutzt die architektonische Grundlage des historischen Lemania 2310. Jean-Marc Fleury vergrößerte den Durchmesser des Werks jedoch auf 32,5 Millimeter und passte die Brückenkonstruktion an.

Fazit

Der JM Fleury Chronograph Openwork nutzt teilskelettierte Elemente, um eine modernisierte Interpretation der Lemania-Architektur auszustellen. Die Inhouse-Komponentenfertigung sichert die technische Unabhängigkeit der Konstruktion und festigt die Position der jungen Manufaktur.

Quellen

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