Antoni Chrono Magazin

Lange 1815 AUF/AB 2026: Die Rückkehr zu 37,5 Millimetern

Mit 37,5 Millimetern verbindet die Lange 1815 AUF/AB bekannte Zutaten – und wirkt auf den ersten Pressebildern stimmiger als die 39-Millimeter-Version

Autor
Daria Nachama
Veröffentlicht
Veröffentlicht 5. September 2026
Aktualisiert
Aktualisiert 13. September 2026
Lesezeit
9 Min. Lesezeit
A. Lange und Söhne 1815 AUF/AB 2026 in Weißgold und Rotgold, Pressefoto der Manufaktur
Die 1815 AUF/AB 2026 in Weißgold und Rotgold.Foto: A. Lange & Söhne, Presse

Anderthalb Millimeter verändern die 1815

A. Lange & Söhne bringt die 1815 AUF/AB zurück auf 37,5 Millimeter. Die neuen Referenzen 244.028 in Weißgold und 244.037 in Rotgold wurden am 4. September 2026 beim Concours of Elegance in Hampton Court vorgestellt. Beide messen 8,7 Millimeter in der Höhe, verwenden das Handaufzugskaliber L051.2 und sind auf je 300 Exemplare limitiert. Am 6. September führt Lange beide offiziell mit „Preis auf Anfrage“. Dieser Status ist kein Marktpreis; Angebotspreis und Marktpreis beantworten unterschiedliche Fragen.[1], [2], [3]

Mit anderthalb Millimetern weniger wirkt die Lange 1815 AUF/AB plötzlich viel schlüssiger. Im kleineren Gehäuserahmen rücken Minuterie, Ziffern und Hilfsanzeigen enger zusammen; die freie Fläche wirkt kontrollierter als beim 39-Millimeter-Modell. Der Vergleich stützt sich auf veröffentlichte Pressebilder. Wie sich dieser Eindruck am Handgelenk übersetzt, bleibt ohne eigene Anprobe offen.[1], [4]

Die 244.028 kombiniert Weißgold mit einem blauen Alligatorband. Bei der 244.037 rahmt Rotgold dasselbe blaue Silberzifferblatt; dazu kommt ein rotbraunes Band. Lange nennt für beide Varianten dieselbe Kaliberbezeichnung und denselben Funktionsumfang.[1], [2], [3]

Bekannte Zutaten, neu zusammengesetzt

Die neue Edition ist keine historische Wiederauflage. Welche Entscheidungen sie aus der Modellgeschichte übernimmt, zeigt die Chronologie; entscheidend ist danach, wie diese Elemente erstmals zusammenarbeiten.

Die AUF/AB-Linie in fünf Schritten

  1. 1997

    Erste Generation

    35,9 Millimeter, Kaliber L942.1 und die blaue Weißgoldreferenz 221.027.[5]

  2. 2006

    Hommage an Walter Lange

    Die Referenzen 223.021, 223.026 und 223.032 maßen 37,5 Millimeter, waren auf je 50 Exemplare begrenzt und trugen Walter Langes Signatur unter einem aufklappbaren Außendeckel.[6]

  3. 2013

    Zweite Generation

    39 Millimeter, Kaliber L051.2 und 72 Stunden Gangreserve; heute stehen 234.026 und 234.032 im Sortiment.[4], [7]

  4. 2019

    Wempe-Edition

    Die Referenzen 234.041 und 234.042 kombinierten ein tiefblaues Silberblatt mit rhodiéfarbenen Anzeigen, jeweils limitiert auf 25 Exemplare.[8], [9]

  5. 2026

    Neue Sondereditionen

    Die Referenzen 244.028 und 244.037 bringen das aktuelle Kaliber in 37,5 Millimeter, je 300 Exemplare pro Goldfarbe.[1], [2], [3]

Die Auswahl ist selektiv: Das kompakte Format kehrt ohne den früheren Außendeckel zurück, das Blau-Silber-Schema wandert in das kleinere Gehäuse und das aktuelle Werk bleibt erhalten. Lange verbindet damit eine optische Rücknahme mit dem technischen Stand der zweiten Generation. Keine historische Referenz wird vollständig kopiert.[6], [1]

Eine veröffentlichte Sekundärmessung nennt für das neue Gehäuse 45 Millimeter über die Bandanstöße. Die bisherigen Referenzen 234.026 und 234.032 stehen weiterhin im aktuellen Sortiment. Lange behandelt 37,5 Millimeter damit als parallele Proportion zur bestehenden Größe. Eine technische Nachfolgegeneration ist damit nicht gemeint.[10], [4], [7]

Die Reduktion klingt auf dem Papier gering, verändert aber das Verhältnis von Höhe und Durchmesser: Die Höhe bleibt gleich, während der Rahmen schrumpft. In der Seitenansicht ist die Neuheit deshalb keine bloß verkleinerte Serienuhr; sie dürfte etwas konzentrierter statt automatisch zierlicher erscheinen. Mehr erlauben die offiziellen Maße nicht. Zum Tragegefühl sagen sie ebenso wenig wie zur sichtbaren Zifferblattöffnung, für die Lange keinen Wert veröffentlicht.[1], [4]

Blau, Silber und zwei sehr verschiedene Rahmen

Das blaue Zifferblatt besteht aus 925er Silber und trägt argentéfarbene Hilfszifferblätter. Die kleine Sekunde sitzt bei vier Uhr, die AUF/AB-Anzeige bei acht. Beide Hilfszeiger sind gebläut; Stunden- und Minutenzeiger nehmen dagegen den Ton des jeweiligen Gehäuses auf. Dazu kommen die Eisenbahnminuterie, arabische Ziffern, das tieferliegende Zentrum und eine schmale abgestufte Lünette, mit denen die 1815 ihre Herkunft von Lange-Taschenuhren sichtbar macht.[1]

Die beiden hellen Hilfszifferblätter übernehmen unterschiedliche Aufgaben und halten trotzdem optisch das Gleichgewicht. Links bewegt sich der Gangreservezeiger über einen Bogen, rechts läuft die kleine Sekunde im Kreis. Auf dem dunklen Grund sind Funktion und laufende Zeit auf den ersten Blick getrennt. Das gibt der AUF/AB die Anmutung eines kleinen Instruments, obwohl Gehäuse und Blatt klar als Dresswatch auftreten.

Die Balance entsteht um die vertikale Mittelachse. Gangreserve und kleine Sekunde sind unterschiedlich skaliert. Links und rechts nehmen sie dennoch ähnlich große Flächen ein. Das tieferliegende Zentrum hält Abstand zu beiden Anzeigen, während die Eisenbahnminuterie außen einen geschlossenen Ring bildet. Der kleinere Rahmen verändert diese Ordnung nicht; er verkürzt optisch den Weg von den Hilfszifferblättern zum Rand.[1]

Blaues Zifferblatt der Lange 1815 AUF/AB 2026 mit argentéfarbenen Hilfszifferblättern
Gebläute Hilfszeiger und der rote Reservebereich setzen die Funktionsfarben.Foto: A. Lange & Söhne, Presse

Im Bildvergleich tritt der Weißgoldrand optisch hinter Blau und Silber zurück. Rotgold setzt eine zweite, warme Farbe dagegen und betont das Gehäuse stärker. Beide Fassungen gewichten die Komposition anders: Bei Weißgold führt das Blatt, bei Rotgold teilt es sich die Aufmerksamkeit mit dem Material.

Der rote Sechs-Stunden-Bereich am Ende der Gangreserve markiert den kritischen Rest unmittelbar und durchbricht zugleich die kühle Blau-Silber-Fläche. So erfüllt der einzige kräftige Farbakzent eine konkrete Funktion.[10]

Eine nützliche Anzeige mit langer Geschichte

Die Bezeichnungen AUF und AB sind älter als die Armbanduhr. Patent Nr. 9349 vom 18. Mai 1879 beschreibt eine „Vorrichtung an Taschenuhren“, die erkennen lässt, ob die Uhr aufgezogen oder abgelaufen ist und wie lange sie noch läuft. In der heutigen 1815 wird daraus eine unmittelbar verständliche Information: Der Zeiger zeigt, wie weit die Zugfeder aufgezogen ist und wann ihre Energie zur Neige geht.[11]

Gerade bei 72 Stunden Gangreserve ist die Anzeige nützlicher als eine bloße Dekoration. In einer Uhrenrotation lässt sich abschätzen, ob die 1815 noch bis zum nächsten Morgen läuft. Ein Planetengetriebe integriert die Funktion direkt in das Kaliber. Das L051.2 umfasst 245 Teile, arbeitet mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde und besitzt 29 Lagersteine.[1], [10]

Trotz des integrierten Planetengetriebes misst das Werk nur 4,6 Millimeter in der Höhe. Die Konstruktion übersetzt den abnehmenden Aufzugszustand auf engem Raum in die Bewegung des Zeigers, ohne ein Modul auf das Werk zu setzen. Das Prinzip geht laut Lange auf ein Patent von Otto Lange aus dem Jahr 1940 zurück. Damit ist die Anzeige konstruktiv tiefer in der Familiengeschichte verankert als die aktuelle Gehäuse- oder Farbentscheidung.[12], [13]

Lange verwendet für die Edition weiterhin die Kaliberbezeichnung L051.2 und veröffentlicht dieselben Kernspezifikationen wie für die aktuellen 39-Millimeter-Modelle. Ob einzelne Komponenten oder Fertigungsdetails geändert wurden, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Mehr lässt sich über technische Gleichheit derzeit nicht seriös sagen.[1], [4], [7]

Manufakturkaliber L051.2 der Lange 1815 AUF/AB unter dem Saphirglasboden
Lange führt auch die neue Edition unter der Kaliberbezeichnung L051.2.Foto: A. Lange & Söhne, Presse

Durch den Saphirglasboden sieht man die Dreiviertelplatine aus naturbelassenem Neusilber, sieben verschraubte Goldchatons, dekorierte Aufzugsräder und den von Hand gravierten Unruhkloben. Ein nummerierter Editionshinweis sitzt am Rand des Bodens. Das Werk liefert damit vertraute Lange-Substanz; die eigentliche Veränderung findet bei Gehäuse und Zifferblatt statt.[1]

Mein Urteil zur neuen Proportion

Für mich ist die Kombination überzeugender als ihr geringer Neuheitsgrad vermuten lässt. Das aktuelle Werk sitzt in einem Format, das besser zur historischen Zeichensprache der 1815 passt, während das dunkle Blatt die kleine Sekunde und die Gangreserve klarer voneinander trennt. Die Uhr gewinnt durch Auswahl und Proportion. Eine neue technische Idee steckt nicht darin. Meine Wahl wäre die 244.028 in Weißgold.[2]

Die Limitierung auf je 300 Exemplare ist der schwächste Teil der Edition. Sie macht die neue Proportion unnötig selten. Aus den veröffentlichten Unterlagen ergibt sich dafür kein technischer Grund.[1]

Fazit

Die Sonderedition stellt den regulären 39-Millimeter-Modellen eine unbequeme Frage: Warum bleibt die aus meiner Sicht schlüssigere Proportion die Ausnahme? Eine dauerhaft verfügbare 37,5-Millimeter-Version wäre die überzeugendere nächste Neuheit.

Quellen

  1. A. Lange & Söhne: 1815 AUF/AB – Traditionelle Elemente, individuelle Eleganz
  2. A. Lange & Söhne: 1815 AUF/AB in 750 Weißgold – Referenz 244.028
  3. A. Lange & Söhne: 1815 AUF/AB in 750 Rotgold – Referenz 244.037
  4. A. Lange & Söhne: 1815 AUF/AB in 750 Weißgold – Referenz 234.026
  5. A. Lange & Söhne: 1815 UP/DOWN in 750 Weißgold – Referenz 221.027
  6. Unpolished: Quick Study: Lange & Söhne 1815 Up/Down
  7. A. Lange & Söhne: 1815 AUF/AB in 750 Rotgold – Referenz 234.032
  8. A. Lange & Söhne: 1815 UP/DOWN in white gold – Reference 234.041
  9. A. Lange & Söhne: 1815 AUF/AB in Rotgold – Referenz 234.042
  10. Fratello: Downsizing With Two New A. Lange & Söhne 1815 Up/Down Models
  11. A. Lange & Söhne: 1815 UP/DOWN – Power-reserve indicator by means of a hand
  12. A. Lange & Söhne: 1815 AUF/AB – Uhrwerk L051.2
  13. A. Lange & Söhne: Gangreserveanzeige – Patent Otto Langes von 1940
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