Antoni Chrono Magazin

Renaud Tixier Monday Skeleton: Die offene Architektur der Tiefe

Die Renaud Tixier Monday Skeleton legt das stark modifizierte Kaliber RVI2025 mit seinem innovativen Mikrorotor vollständig frei.

Autor
Robert Nachama
Veröffentlicht
20. Oktober 2026
Lesezeit
8 Min.
Renaud Tixier Monday Skeleton: Die offene Architektur der Tiefe. Aufnahme: Watchesbysjx.
Foto: WatchesbysjxQuelle, watchesbysjx.com

Die skelettierte Identität

Am 20. Oktober 2026 stellt Renaud Tixier die Monday Skeleton vor. Das junge unabhängige Haus öffnet das Gehäuse und legt das Uhrwerk seines Erstlingswerkes vollständig frei. Die skelettierte Variante modifiziert das bekannte Kaliber umfassend und präsentiert insgesamt 262 Bauteile, die das Licht aus verschiedenen Winkeln aufnehmen.

Die Architektur der Brücken wurde speziell für diese offene Ansicht neu gezeichnet und folgt nun einem durchgehenden Motiv aus geschwungenen Elementen. Die Modifikation ändert die Identität der Uhr grundlegend und rückt die komplexe Mechanik in den direkten Blick. Die vollständige Freilegung verleiht dem Modell eine deutlich stärkere Eigenständigkeit als der Vorgänger mit seinem geschlossenen Blatt bot.

Die sichtbare Architektur begegnet dem häufigen Vorwurf, skelettierte Uhren würden ihre Identität mit dem Zifferblatt verlieren. Die Bauteile fügen sich zu einem kohärenten Bild zusammen. Das Kaliber RVI2025 zeigt sich hier von einer stark architektonischen Seite.

Physische Präsenz am Handgelenk

Das Gehäuse aus Weißgold misst 40,8 Millimeter im Durchmesser. Eine beachtliche Bauhöhe von 12,6 Millimetern verleiht der Konstruktion eine beträchtliche physische Präsenz am Handgelenk. Die vertieften Flanken des Gehäuses sind mit einer freihändigen Gravur versehen, die bei jeder Bewegung einen funkelnden Effekt erzeugt.

Da eine eigene Anprobe fehlt, stützt sich die Bewertung der räumlichen Wirkung auf die bereitgestellten Pressebilder. Die polierten Kanten fassen die gravierten Flächen sicher ein und schaffen einen harten Kontrast. Die Gehäuseform bleibt gegenüber der geschlossenen Vorversion weitgehend unverändert.

Die Masse des Weißgolds und die aufwendige Flankenbearbeitung unterstreichen den gestalterischen Anspruch der Manufaktur. Die Dimensionen sprechen eine klare Sprache abseits der historischen Konventionen für klassische Zeitmesser.

Klare Hierarchie der Zeitanzeige

Das klassische Zifferblatt entfällt komplett zugunsten eines freien Blicks in die Tiefe der Mechanik. Feine Ringe für die Stunden, die Minuten und die dezentrale kleine Sekunde übernehmen die Führung des Auges. Diese Ringe sichern die grundlegende Ablesbarkeit vor dem dichten mechanischen Hintergrund.

Die farblichen Akzente in Grün oder Blau korrespondieren exakt mit dem Sperrrad. Dieses Rad trägt eine Flinqué-Emaille, die im traditionellen Grand-Feu-Verfahren unter großer Hitze gebrannt wird. Die Farbabstimmung reicht bis in die kleinsten Details der oberen mechanischen Ebene.

Die Zeiger nehmen den Farbton der Ringe auf und heben sich deutlich von den silberfarbenen Brücken ab. Die Gestaltung meidet eine visuelle Überforderung der Zeitanzeige und lenkt den Fokus auf das Wesentliche. Das Zusammenspiel von Farbe und Metall schafft eine klare Hierarchie der Anzeigen.

Energierückgewinnung im Mikrorotor

Das Automatikkaliber RVI2025 arbeitet mit einem unkonventionellen Aufzugssystem, das sich von herkömmlichen Konstruktionen abhebt. Ein spezieller Tänzer-Mikrorotor nutzt ein integriertes Schwungrad und eine Antriebsfeder zur kontinuierlichen Energierückgewinnung. Das System beschleunigt den primären Rotor und wandelt selbst kleinste Handbewegungen effizient in Antriebsenergie um.

Die Konstruktion bedient sich an physikalischen Prinzipien, die Dominique Renaud aus hybriden Automobilantrieben ableitete. Verschachtelte Platinrotoren fangen die Bewegungsenergie ein. Die Gangreserve wächst bei dieser neuen Ausführung auf 72 Stunden an. Das Basiswerk nutzt dabei dasselbe Federhaus und dieselbe Unruh wie die erste Generation des Kalibers.

Die Unruh schwingt mit einer traditionellen Frequenz von 2,5 Hertz. Die Verwaltung solcher technischen Innovationen verlangt im ChronoVault eine präzise Trennung der Kalibergenerationen. Die Modifikationen belegen den laufenden Optimierungsprozess im Hause Renaud Tixier.

MerkmalAngabe
Durchmesser40,8 mm
Höhe12,6 mm
Gehäusematerial18 Karat Weißgold
KaliberRVI2025
AufzugAutomatik
Frequenz18.000 A/h (2,5 Hz)
Gangreserve72 Stunden
FunktionenStunden, Minuten, kleine Sekunde

Parallaxeneffekt durch gestaffelte Bauteile

Mikrorotor-Kaliber dienen historisch vor allem der besonders flachen Bauweise von eleganten Uhren. Die Konstruktion von Renaud Tixier geht einen völlig anderen Weg und misst allein beim Uhrwerk fast sieben Millimeter in der Höhe. Die Entwickler nutzen diese Dicke bewusst für eine komplexe architektonische Schichtung der Bauteile.

Die verschiedenen Ebenen erzeugen bei jeder Neigung einen spürbaren Parallaxeneffekt, der die mechanische Tiefe betont. Die schwarz polierte Brücke des Aufzugssystems bei neun Uhr zieht die Blicke sofort auf sich. Die geschwungenen Brücken setzen sich auf der Rückseite des Gehäuses nahtlos fort.

Alle 238 Innenwinkel der Konstruktion werden im hauseigenen Atelier in Tolochenaz von Hand poliert. Der Verzicht auf externe Spezialisten stärkt die Unabhängigkeit der jungen Marke. Die Bearbeitung der Oberflächen erfordert einen hohen manuellen Aufwand, der die geringe Produktionszahl erklärt.

Positionierung der unabhängigen Manufaktur

Dominique Renaud und Julien Tixier gründeten die gemeinsame Manufaktur im Jahr 2024. Dominique Renaud bringt die jahrzehntelange Erfahrung als Mitbegründer der legendären Komplikationsschmiede Renaud & Papi ein. Die Monday bildet den Auftakt einer Serie von sieben geplanten Modellen, die jeweils eine spezifische mechanische Einschränkung traditioneller Uhren adressieren.

Die Namensgebung folgt den Wochentagen. Die Marke positioniert sich selbstbewusst im Segment der hochkomplexen unabhängigen Uhrmacherei. Die strenge Limitierung auf jeweils 15 Exemplare in Grün und Blau hält die verfügbaren Stückzahlen äußerst gering.

Solche seltenen Editionen erfordern einen systematischen Marktüberblick, den interessierte Sammler über private Suchprofile in ChronoSearch aufbauen. Die Nachfrage nach handwerklich anspruchsvoller Uhrmacherei trifft hier auf ein stark begrenztes Angebot. Die Positionierung zielt auf Sammler, die technische Eigenständigkeit über bekannte Markennamen stellen.

Konsequenz in der Formgebung

Die Monday Skeleton macht aus ihrer massiven Bauhöhe eine architektonische Tugend. Die Tiefe des Werkes erlaubt eine Inszenierung in vielen Schichten, die flache Konstruktionen oft vermissen lassen. Der immense visuelle Reichtum der Dekoration grenzt stellenweise an eine Überladung des Auges.

Die langsame Taktung der Hemmung von 18.000 Halbschwingungen pro Stunde bleibt eine bewusste Entscheidung, die moderne Leistungsansprüche spürbar ignoriert. Eine höhere Frequenz würde dem dynamischen Anspruch des Tänzer-Rotors möglicherweise besser entsprechen.

Dennoch beweist die gesamte Gestaltung eine beeindruckende handwerkliche Konsequenz. Die Uhr zeigt, wie ein radikaler technischer Ansatz die Formgebung völlig dominieren darf. Die Skelettierung gibt der jungen Marke ein starkes Gesicht, das ihrer mechanischen Ambition voll entspricht.

Häufig gestellte Fragen

Was unterscheidet die Monday Skeleton vom Vorgängermodell?
Die Skeleton-Variante legt das Kaliber vollständig frei und verzichtet auf das geschlossene Zifferblatt. Die Brücken wurden für die neue Architektur überarbeitet und weisen nun ein geschwungenes Motiv auf. Zudem stieg die Gangreserve des Werkes bei dieser Generation auf 72 Stunden an.
Das Kaliber RVI2025 nutzt einen speziellen Mikrorotor, der an mechanische Konzepte aus der Automobilindustrie angelehnt ist. Ein integriertes Schwungrad und eine Antriebsfeder beschleunigen den Rotor, um selbst kleinste Bewegungen effizient in Aufzugsenergie umzusetzen.
Die Uhr erscheint in zwei limitierten Editionen mit Akzenten in Grün oder Blau. Die Farbe zeigt sich auf den äußeren Ringen der Zeitanzeige und dem emaillierten Sperrrad. Von jeder Farbe fertigt die Manufaktur exakt 15 Exemplare.

Fazit

Die offene Konstruktion verleiht der jungen Manufaktur ein klares gestalterisches Gesicht. Die tief gestaffelte Architektur und der unkonventionelle Aufzug verbinden sich zu einer mechanischen Erzählung, die den hohen Anspruch an Unabhängigkeit belegt.

Quellen

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