Antoni Chrono Magazin

Der Sprung des Kalenders

Mit der Perpetual Padellone baut Rolex einen Jahreskalender und legt die Formensprache einer historischen Referenz für die Gegenwart neu auf.

Autor
Daria Nachama
Veröffentlicht
Veröffentlicht 5. Oktober 2026
Lesezeit
8 Min. Lesezeit
Rolex Perpetual Padellone in Everose mit eisblauem Zifferblatt, Tagesanzeige, Mondphase und Settimo-Band
Rolex Perpetual Padellone in Everose am Settimo-Band; Tagesanzeige, Datum und Mondphase teilen sich das eisblaue Blatt.Foto: Rolex · Quelle: SJX

Rückkehr der großen Komplikation

Rolex erweitert die etablierte Perpetual-Kollektion um eine unerwartete Komplikation. Die neue Perpetual Padellone bringt einen Jahreskalender mit Mondphase in die elegante Linie der Manufaktur. Die Uhr schließt an die Formensprache der historischen Referenz 8171 an. Sammlerinnen und Sammler kennen das Vorbild aus den späten Vierzigerjahren unter dem gleichen italienischen Spitznamen. Damals zählte das Modell zu den größten und komplexesten Armbanduhren im Katalog der Genfer. Die Neuinterpretation übernimmt nutzt die visuellen Charakteristika als Ausgangspunkt für eine moderne Konstruktion.

Die Neuheit misst 39 Millimeter im Durchmesser und ist in Everose-Gold oder massivem Platin verfügbar. Rolex stattet das Modell mit einem vollständig neu entwickelten Manufakturkaliber aus. Das Werk unterscheidet mechanisch zwischen Monaten mit dreißig und einunddreißig Tagen. Die technische Architektur rückt die jüngsten Entwicklungen der Marke deutlich in den Mittelpunkt und grenzt sich von den bekannten Sportmodellen ab. Das Modell zeigt den Willen, das Segment der klassischen Komplikationen wieder stärker zu besetzen.

Bislang bestand die junge Perpetual-Kollektion ausschließlich aus dem Dreizeigermodell 1908. Mit dem neuen Jahreskalender baut die Manufaktur diese Reihe zu einer echten Familie aus. Die Entscheidung für einen transparenten Saphirglasboden unterstreicht diesen Wandel. Die Technik präsentiert sich offen als zentrales Verkaufsargument. Die Premiere markiert damit einen spürbaren Ausbau der eleganten Sparte.

Körnung und glatte Kanten

Das Gehäuse greift die runden Flanken und die abgesetzte Lünette der historischen Vorlage auf. Der obere Teil der Lünette spannt sich glatt und bombiert um das Saphirglas. Der untere Ring trägt dagegen eine feine Riffelung. Diese Teilung nimmt dem Gehäuse die optische Schwere. Die Goldversion kombiniert der Hersteller wahlweise mit einem braunen Alligatorlederband oder dem feingliedrigen Settimo-Goldband. Dieses Band besteht aus Reihen von sieben kleinen, leicht gebogenen Gliedern und tauchte bereits an der 1908 auf. Die Platinversion hält das Gehäuse an einem mattschwarzen Lederband am Handgelenk.

Rolex Perpetual Padellone in Platin mit eisblauem Zifferblatt, Mondphase und schwarzem Lederband am Handgelenk
Die Platinausführung der Perpetual Padellone am Lederband; die Mondphase sitzt über sechs Uhr.Foto: Rolex · Quelle:

Auf dem Zifferblatt trennt Rolex die Flächen durch unterschiedliche Schliffe. Das Zentrum zeigt eine mattierte Struktur, die das einfallende Licht weich streut und harte Reflexionen verhindert. Der äußere Ring mit der Datumsskala ist im Kontrast dazu glatt satiniert abgesetzt. Bei zwölf Uhr liegen die beiden Fenster für Wochentag und Monat. Ein blauer Zentralzeiger weist präzise auf das Datum am äußeren Zifferblattrand. Die klassische Aufteilung schafft eine ruhige Ablesbarkeit, die das komplexe Zifferblatt visuell ordnet.

Der Blickfang liegt in der unteren Blatthälfte. Eine blaue Emaille-Scheibe dreht sich in einem vollständigen Mondzyklus einmal um die eigene Achse und zeigt die Mondphase. Rolex setzt für den Vollmond und den Neumond kleine Elemente aus echtem Meteoritengestein ein. Der Neumond erhält zusätzlich eine dunkle PVD-Beschichtung, um ihn optisch zurücktreten zu lassen. Beide Himmelskörper tragen stilisierte Gesichter, die exakt jene der frühen Vorbilder aus dem Archiv aufgreifen. Ein Pressebild belegt das feine Wechselspiel der matten Texturen unter dem Glas.

Hochfrequenz und harter Sprung

Hinter dem Saphirglasboden arbeitet das neue Automatikkaliber 7190. Rolex baut das Werk mit fünfunddreißig Lagersteinen, der hauseigenen Syloxi-Siliziumspirale, einer keramischen Unruhwelle und der neuen Dynapulse-Hemmung. Diese moderne Architektur teilt sich der Jahreskalender in Grundzügen mit der aktuellen Land-Dweller-Linie. Die Frequenz liegt bei schnellen fünf Hertz, die Gangreserve beträgt 66 Stunden. Die Zertifizierung als Superlative Chronometer verspricht eine hohe Ganggenauigkeit am Handgelenk. Dreißig angemeldete Patente schützen die Konstruktion.

Das Kaliber steuert den Jahreskalender über das patentierte Haplos-System. Zwei der genannten Patente entfallen exakt auf diese Mechanik für die Padellone. Die Steuerung schaltet Wochentag, Datum und Monat um Punkt Mitternacht simultan weiter. Eine langwierige, schleichende Übergangsphase am späten Abend entfällt vollständig. Das System erkennt die unterschiedlichen Monatslängen selbstständig. Sammler, die ihre Modelle und Papiere im ChronoVault verwalten, achten auf solche belastbaren Mechaniken. Im Alltag bedeutet die Technik, dass Trägerinnen und Träger das Datum nur einmal im Jahr am ersten März korrigieren.

Für die Einstellung sitzen vier versenkte Korrektoren direkt in den Gehäuseflanken. Über sie lassen sich Kalender und Mondphase getrennt voneinander richten. Die Integration in die Flanken hält die Silhouette sauber und verhindert überstehende Drücker. Die Wasserdichtigkeit leidet laut Herstellerangaben nicht unter diesen Zugangspunkten, auch wenn sie den Umgang mit dem Kalender verändern.

Historischer Bezug ohne Lupe

Der Name Padellone leitet sich aus dem Italienischen ab und beschreibt das historische Vorbild treffend als große Pfanne. Rolex baute die Referenz 8171 in den späten Vierziger- und frühen Fünfzigerjahren. Sie zählte damals zu den wenigen Modellen mit einer derart umfangreichen Kalenderanzeige. Heute gilt das Modell als gesuchtes Stück der frühen Firmengeschichte. Die Neuinterpretation übernimmt die visuelle Hierarchie der alten Blätter, vergrößert aber die Gehäusestruktur leicht auf die heutigen 39 Millimeter.

Vor knapp einem Jahrzehnt testete die Marke das Interesse an klassischen Komplikationen mit der Einführung der Cellini Moonphase. Die Fachwelt beobachtete damals genau, ob dieses Segment dauerhaft im Katalog bleibt. Die Padellone positioniert sich nun als technische Spitze der eleganten Perpetual-Kollektion. Sie verzichtet konsequent auf die bekannte Datumslupe und grenzt sich damit klar von den Modellen mit Oyster-Gehäuse ab. Das flache Saphirglas über dem Zifferblatt unterstreicht den klassischen Charakter der Uhr.

Die Wahl der Materialien festigt den exklusiven Status der Linie.

Der Blick auf die Proportion

Die Perpetual Padellone übersetzt eine historische Formensprache souverän in die Gegenwart. Das Zifferblatt nutzt den Platz der 39 Millimeter exzellent aus, ohne auch nur ansatzweise gedrängt zu wirken. Die Aufteilung mit den Fenstern bei zwölf Uhr und dem blauen Zeigerdatum schafft eine klare Lesbarkeit. Das markante Meteoriten-Gesicht auf der Mondphase stört diese funktionale Ruhe nicht, sondern setzt einen willkommenen Akzent. Die mattierte Mitte gibt dem Blatt die nötige Tiefe.

Technisch liefert Rolex mit dem simultanen Sprung und der hohen Frequenz ein starkes Argument für das neue Werk. Der Verzicht auf eine schleichende Schaltung hebt das Kaliber spürbar von vielen traditionellen Jahreskalendern ab. Die Kombination aus hoher Frequenz, Siliziumbauteilen und der Dynapulse-Hemmung verspricht einen robusten Gang im Alltag. Der Glasboden macht diese Konstruktion sichtbar und bestätigt den Anspruch, auch jenseits der Sportuhren technische Ausrufezeichen zu setzen.

Der Einsatz von Gehäusekorrektoren bricht jedoch die sonst so unantastbare Bedienphilosophie der Marke. Die Krone allein reicht für diesen Kalender nicht mehr aus, um alle Anzeigen zu richten. Ein Hilfsmittel wird zum notwendigen Werkzeug für die Einstellung von Mondphase und Kalenderdaten. Die elegante Form der Uhr rechtfertigt diesen Schritt optisch durchaus, verlangt dem Träger aber spürbar mehr mechanische Aufmerksamkeit ab als eine typische Drei-Zeiger-Rolex.

Häufig gestellte Fragen

Wann muss das Datum der Perpetual Padellone korrigiert werden?
Der Jahreskalender erkennt Monate mit dreißig und einunddreißig Tagen automatisch. Eine manuelle Korrektur des Datums ist nur einmal im Jahr nötig, regulär am ersten März.
Rolex nutzt eine blaue Emaille-Scheibe. Vollmond und Neumond bestehen aus echtem Meteoritengestein und tragen stilisierte Gesichter; der Neumond erhält zusätzlich eine dunkle Beschichtung.

Fazit

Die Perpetual Padellone beweist, dass die elegante Kollektion der Manufaktur in Zukunft deutlich mehr Raum bekommt. Der Jahreskalender verbindet eine starke historische Vorlage mit der Präzision eines modernen Hochfrequenzwerkes. Die Bedienung fordert dafür den Einsatz klassischer Korrekturdrücker im Gehäuse.

Quellen

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