Antoni Chrono Magazin

Weinroter Verlauf unter gewölbtem Saphirglas

Oris erweitert die Big Crown Pointer Date um eine größere Version mit burgunderrotem Zifferblatt und einem nachhaltigen Lederband von Cervo Volante.

Autor
Robert Nachama
Veröffentlicht
Veröffentlicht 8. Oktober 2026
Lesezeit
8 Min. Lesezeit
Weinroter Verlauf unter gewölbtem Saphirglas. Aufnahme: Wornandwound.
Foto: Wornandwound · Quelle: https://wornandwound.com/oris-ushers-in-autumn-with-a-new-big-crown-pointer-date-made-in-collaboration-with-cervo-volante/

Weinrot rückt in den Fokus

Oris stellt Anfang Oktober 2026 eine neue Variante der Big Crown Pointer Date vor. Die Neuheit bringt ein burgunderrotes Zifferblatt in das 40-Millimeter-Gehäuse aus Edelstahl und kombiniert es mit einem dunkelbraunen Hirschlederband von Cervo Volante. Bisherige Kooperationen mit dem Schweizer Lederverarbeiter zeigten sich vor allem im kleineren Format; nun rückt die Farbe Weinrot in den Mittelpunkt der größeren Fliegeruhr. Die Uhr wird in einem passenden Reiseetui ausgeliefert und reiht sich regulär in das Segment ein.

Ein dunkles Rot auf dem Zifferblatt verlangt nach Licht. Auf der Fläche entsteht die räumliche Wirkung durch den feinen Verlauf der Farbe. Das Zentrum reflektiert heller, der Rand geht in ein fast schwarzes Rot über. Diese Abdunkelung rahmt die arabischen Ziffern ein und gibt dem Datumszeiger den nötigen Kontrast.

Das einseitig entspiegelte Saphirglas verzerrt den Rand je nach Betrachtungswinkel spürbar. Das unterstützt den historischen Charakter, fordert aber Kompromisse bei harten Lichtquellen. Das dunkelbraune Cervo-Volante-Band nimmt dem Stahlgehäuse die Kälte und weist sichtbare Naturmerkmale auf. Beim Entschluss, eine Luxusuhr verkaufen zu wollen, zeigt sich oft, dass gerade solche weichen Farbkonzepte eine sehr loyale Sammlerschaft anziehen.

Edelstahl mit großer Krone

Das Gehäuse aus gebürstetem und poliertem Edelstahl misst 40 Millimeter im Durchmesser. Diese Größe bildet das Fundament der Linie, nachdem Oris in der Vergangenheit oft zwischen verschiedenen Maßen variierte. Die namensgebende Krone dominiert die rechte Flanke sichtbar. Ursprünglich für Fliegerhandschuhe entworfen, dient sie heute der mühelosen Korrektur und bestimmt die Silhouette der Uhr. Die kannelierte Lünette bricht das Licht an ihren feinen polierten Kerben.

Boden der Oris Big Crown Pointer Date mit weinrotem Rotor. Aufnahme: Wornandwound.
Der sichtbare Boden mit weinrotem Rotor.Foto: Wornandwound · Quelle: https://wornandwound.com/oris-ushers-in-autumn-with-a-new-big-crown-pointer-date-made-in-collaboration-with-cervo-volante/

Die Anstoßbreite beträgt 19 Millimeter. Dieses Maß verlangt bei alternativen Bändern etwas Aufmerksamkeit. Der verschraubte Gehäuseboden sichert eine Wasserdichtigkeit von 5 bar ab. Damit ist die Uhr gegen Regen geschützt, für den sportlichen Einsatz im Wasser jedoch nicht gebaut. Die Bauhöhe wird durch das stark gewölbte Saphirglas geprägt, wodurch die Stahlflanke schlanker wirkt.

Auf der Rückseite gewährt ein Mineralglas den Blick auf das Werk. Diese Entscheidung senkt die Produktionskosten, ohne im Alltag kratzanfällig zu sein, da der Boden glatt aufliegt. Die Geometrie der Bandanstöße fällt sanft ab. Mitglieder, die ihre Wünsche über ChronoSearch verwalten, erkennen schnell, dass sich die Uhr auch an Handgelenke schmiegt, die sonst etwas kleinere Durchmesser bevorzugen.

Zeigerkalender im Farbverlauf

Das Zifferblatt organisiert die Zeit und das Datum auf engem Raum, ohne unübersichtlich zu wirken. Die arabischen Ziffern sind vollständig mit Super-LumiNova belegt und leuchten hell nach. Neben den Ziffern tragen auch die Kathedralzeiger großzügige Leuchtmasse. Die Eisenbahnminuterie verläuft klassisch am inneren Rand. Ganz außen, auf dem dunkelsten Teil des Farbverlaufs, liegt der Datumsring mit den Ziffern eins bis einunddreißig.

Der Zeigerkalender bleibt die signifikante Komplikation. Ein vierter Zeiger wandert jeden Tag einen Schritt weiter und markiert das Datum mit seiner roten sichelförmigen Spitze. Diese Art der Anzeige stört die Symmetrie des Blattes nicht, anders als ein klassisches Datumsfenster. Die rote Spitze hebt sich auf dem burgunderroten Untergrund ab, verlangt bei diffusem Licht aber etwas genaueres Hinsehen.

Der Farbverlauf lenkt den Blick in die Mitte. Die fein gekörnte Oberfläche schluckt direkte Lichtstrahlen und mindert störende Reflexionen. Das Zusammenspiel aus Kathedralzeigern, Typografie und dem Datumszeiger zitiert die späten 1930er Jahre präzise, ohne wie ein künstlich gealtertes Relikt zu wirken. Es bleibt eine funktionale Fläche, die durch die Farbe eine neue ästhetische Ebene erhält.

Verlässliche Mechanik mit Grenzen

Im Inneren der Uhr arbeitet das automatische Oris Kaliber 754-1. Die Konstruktion basiert auf der bewährten Architektur von Sellita und schlägt mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde. Die augenblickliche Datumsschaltung und der Datums-Korrektor ermöglichen eine schnelle Anpassung am Monatsende. Ein Sekundenstopp stoppt die Unruh beim Ziehen der Krone, wodurch sich die exakte Uhrzeit präzise einstellen lässt.

Oris Big Crown Pointer Date in Burgund, Dreiviertelansicht. Aufnahme: Wornandwound.
Dieselbe Oris in der Dreiviertelansicht.Foto: Wornandwound · Quelle: https://wornandwound.com/oris-ushers-in-autumn-with-a-new-big-crown-pointer-date-made-in-collaboration-with-cervo-volante/

Die Gangreserve dieses Werks beträgt 38 Stunden. Dieser Wert markiert heute die klare Untergrenze bei mechanischen Uhren. Wird die Uhr am Freitagabend abgelegt, steht sie am Sonntagmorgen still. Für Personen, die ihre Fliegeruhr täglich tragen, ist dieser Wert unerheblich. Beim regelmäßigen Wechsel zwischen Modellen fällt diese Einschränkung im Alltag schnell auf. Der beidseitige Aufzug erfolgt über den rot lackierten Zentralrotor.

Die Werkmaße von 25,60 Millimetern füllen das Gehäuse gut aus. Der Datumsring liegt exakt dort, wo er liegen muss, ohne dass ein zu kleines Werk die Anzeigen in die Mitte drängt. Die Finissierung beschränkt sich auf eine rein technische Optik. Auf Zierschliffe an den Brücken verzichtet Oris vollständig. Diese Architektur steht für robuste Verlässlichkeit; erfahrene Uhrmacher warten das Kaliber unkompliziert.

Nachhaltigkeit trifft Historie

Die Big Crown Pointer Date gehört zu den beständigsten Entwürfen der Marke. Ihre Wurzeln reichen in das Jahr 1938 zurück, als die erste in Serie produzierte Fliegeruhr mit großer Krone und Zeigerdatum erschien. Diese Merkmale bilden das stabile Fundament der Kollektion. Die Schweizer Manufaktur Cervo Volante sammelt Rotwildfelle aus der lokalen Jagd und gerbt sie ohne den Einsatz von Chrom oder synthetischen Zusätzen.

Vor dieser burgunderroten Variante präsentierten die Partner bereits Modelle in 38 Millimetern mit blauen, grauen und grünen Zifferblättern. Im vergangenen Jahr erschien eine Ausgabe in leuchtendem Orange. Die neue weinrote Version beruhigt die Farbpalette. Sie wirkt erwachsener und weniger laut als das Vorjahresmodell, behält aber die warme Ausstrahlung bei. Das größere Gehäuse rückt die Uhr näher an moderne Fliegeruhren.

Auf dem Markt positioniert sich die Referenz zwischen den reinen Einsteigermodellen und den eigenen Manufakturkalibern. Während Schwestermodelle mit dem Kaliber 403 fünf Tage Gangreserve bieten, hält diese Edition den Einstieg zugänglich. Die Uhr verzichtet auf eine künstliche Limitierung und fließt regulär in die Produktion ein. Sie spricht jene an, die den gestalterischen Fokus des Leders schätzen.

Starke Farbe vor knapper Reserve

Die Pointer Date funktioniert dann am besten, wenn sie ihre historische Formel mit satten Farben aufbricht. Das burgunderrote Zifferblatt ist eine hervorragende Entscheidung für das Gehäuse. Es verkleinert die Fläche optisch und verleiht ihr eine beachtliche Tiefe. Die Kombination mit dem weichen Cervo-Volante-Leder ist schlüssig, denn das Band wird zügig eine eigene Patina aufbauen. Das ist keine Uhr für den Tresor, sondern für den Abrieb des echten Lebens.

Mein klarer Einwand betrifft die Mechanik. Eine Gangreserve von 38 Stunden greift im Jahr 2026 spürbar zu kurz. Dass der Hersteller parallel hochmoderne eigene Werke baut, verdeutlicht den technischen Abstand innerhalb der Kollektion. Der Sichtboden aus Mineralglas bleibt auf diesem Niveau vertretbar, doch das Kaliber zwingt den Träger zur täglichen Bewegung.

Dennoch bleibt die Gestaltung das durchschlagende Argument. Die schnelle Erfassbarkeit der Zeit über die leuchtenden arabischen Ziffern ist exzellent, die taktile Bedienung der Krone ein Genuss. Der rote Zeigerkalender bringt exakt die Unruhe auf das Blatt, die einen klassischen Entwurf lebendig hält. Dass Oris diese spezielle Farbtiefe nun auch größeren Handgelenken anbietet, macht die Neuheit zu einem sehr starken Wurf.

Häufig gestellte Fragen

Welches Material nutzt das Armband der Uhr?
Oris stattet die Uhr mit einem dunkelbraunen Lederband des Schweizer Herstellers Cervo Volante aus. Es besteht aus nachhaltig bezogenem Rotwildleder, das ohne Chrom oder synthetische Zusätze gegerbt wird.
Die burgunderrote Version der Fliegeruhr unterliegt keiner Stückzahllimitierung und fließt als fester Bestandteil in die reguläre Kollektion der Schweizer Marke ein.

Fazit

Die Oris Big Crown Pointer Date Cervo Volante beweist, dass ein konsequentes Farbkonzept einen historischen Entwurf erfolgreich neu beleben kann. Die warme Präsenz am Handgelenk überspielt die technischen Kompromisse des Werks souverän. Personen mit Bereitschaft zum manuellen Aufzug finden hier eine Fliegeruhr mit beachtlicher Tiefe.

Quellen

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