Antoni Chrono Magazin

Yema Navygraf Meteorite CMM.10: Geätztes Gestein im matten Titanrahmen

Yema stellt mit der Navygraf Meteorite CMM.10 eine Taucheruhr vor, die ein Zifferblatt aus Muonionalusta-Gestein in ein satiniertes Titangehäuse fasst.

Autor
Daria Nachama
Veröffentlicht
24. Oktober 2026
Lesezeit
7 Min.
Yema Navygraf Meteorite CMM.10: Geätztes Gestein im matten Titanrahmen. Aufnahme: Monochrome-watches.
Foto: Monochrome-watchesQuelle, monochrome-watches.com

Gestein ersetzt Kohlefaser

Am 24. September 2026 stellt Yema die Navygraf Meteorite CMM.10 vor. Das auf jeweils 150 nummerierte Exemplare limitierte Modell unter den Referenzen 22.26.10.66.TNL.M in Schwarz und 22.26.10.64.TNL.M in Grün tauscht die bisherigen Kohlefaser- und Perlmuttblätter der Linie gegen eine Scheibe aus extrem altem Muonionalusta-Gestein. Das hauseigene Automatikwerk der Franzosen arbeitet hier in einem komplett aus Titan gefertigten Gehäuse.

Der Kontrast zwischen dem unruhigen Zifferblatt und der matten Hülle lenkt den Blick sofort auf das Zentrum. Die kristalline Widmanstätten-Struktur des extraterrestrischen Materials fängt schwaches Licht ein und wirft es in harten Winkeln zurück. Das gebürstete graue Gehäuse hält sich optisch stark zurück und überlässt dem Gestein die Bühne. Klar applizierte Indizes schaffen eine funktionale Ordnung auf dem geometrischen Hintergrund.

Kompakte Proportionen am Handgelenk

Die Maßstäbe der Uhr bleiben eng an der klassischen Formgebung der Werkzeuglinie orientiert. Mit 39 Millimetern im Durchmesser und einer moderaten Bauhöhe von 11 Millimetern hält sich der Korpus dicht am Handgelenk. Die Länge über die Anstöße misst exakte 46 Millimeter, was das optische Gewicht zusammen mit dem leichten Material stark reduziert.

Yema fräst das Gehäuse aus Grade-2-Titan und versieht die Flanken mit einer vertikalen Satinierung. Schmale, hochglanzpolierte Fasen an den Hörnern brechen das ansonsten matte Finish auf und definieren die äußeren Kanten präzise. Ein 2,2 Millimeter starkes, doppelt gewölbtes Saphirglas schützt die Frontseite und verzerrt das Zifferblatt aus flachen Winkeln minimal.

Auf der Rückseite gibt ein planes Saphirglas den direkten Blick auf die Konstruktion des Werks frei. Der Gehäuseboden ist ebenfalls in Titan eingefasst und trägt die lasergravierte Limitierungsnummer. Die verschraubte Krone dichtet das System zuverlässig ab, sodass die Taucheruhr einen Wasserdruck von 30 bar verträgt.

Kühles Licht auf altem Kern

Das Material des Zifferblatts stammt aus dem metallischen Kern eines frühen Planetoiden, der vor rund 4,5 Milliarden Jahren entstand. Das Gestein kühlte über Jahrmillionen sehr langsam ab. Dieser Vorgang erzeugt das charakteristische Widmanstätten-Muster, das nach dem Anschnitt und der Säureätzung sichtbar hervortritt. Jede Zifferblattscheibe trägt ein anderes Liniennetz, wodurch sich die visuelle Wirkung mit jedem Kippen der Uhr tiefgreifend verändert.

Yema bietet das Material in einer schwarzen und einer grünen Farbfassung an. Aufgedruckte Markierungen würden auf der rauen Oberfläche im schrägen Licht unsichtbar verschwinden. Die Marke setzt stattdessen applizierte Indizes und erhabene Zeiger auf das Gestein. Eine weiße Minuterie läuft ruhig um den äußeren Rand und fasst das unruhige Bild ein. Alle Markierungen leuchten im Dunkeln blau auf, wofür die Uhrmacher Super-LumiNova BGW9 einsetzen.

Die einseitig drehbare Taucherlünette rahmt das Zifferblatt dunkel ein und rastet mechanisch sauber. Ein Einsatz aus schwarz beschichtetem Edelstahl trägt eine vollflächige Minutenskala mit einem hell leuchtenden Startdreieck auf der Zwölf.

Hauseigener Antrieb mit Querbrücke

Im Inneren der Uhr schwingt das automatische Manufakturkaliber CMM.10, dessen Rohwerk Yema in den eigenen Produktionsräumen im französischen Morteau fertigt. Der große Zentralrotor zieht die Zugfeder einseitig über ein reibungsarmes Kugellager auf. Die Konstruktion sichert eine Gangreserve von 70 Stunden bei einer Frequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde.

Die technische Umsetzung zielt vor allem auf mechanische Stabilität ab. Eine massive Querbrücke hält die Unruh aus der speziellen Legierung Glucydur fest in ihrer Position. Das verbaute Incabloc-System dämpft harte Stöße auf die Zapfen effektiv ab. Die ausgewählten Legierungen reagieren unempfindlich auf starke Magnetfelder im Alltag. Die Uhrmacher verzichten auf eine externe Chronometer-Zertifizierung und regulieren das Werk intern auf eine Toleranz von minus drei bis plus fünf Sekunden pro Tag ein.

Das Ziehen der Krone stoppt den zentralen Sekundenzeiger sofort, wodurch eine präzise Synchronisation der Uhrzeit gelingt. Die Mechanik bleibt trotz der ordentlichen Leistungsdaten mit 208 verbauten Einzelteilen gut überschaubar.

MerkmalAngabe
Referenz22.26.10.66.TNL.M (Schwarz) / 22.26.10.64.TNL.M (Grün)
Durchmesser39 mm
Höhe11 mm
GehäusematerialGrade-2-Titan
Glas2,2 mm doppelt gewölbtes Saphirglas
Wasserdichtigkeit30 bar (300 m)
KaliberCMM.10
AufzugAutomatik

Eine neue Kategorie der Werkzeuguhr

Die Navygraf-Kollektion prägt das Bild der Marke bereits seit mehreren Jahrzehnten. Yema stattete in den 1970er-Jahren die französische Segel-Nationalmannschaft mit Instrumenten dieser spezifischen Taucherlinie aus. Das reine Werkzeugformat verschiebt sich mit der neuen Auflage spürbar. Die Kombination aus gebürstetem Titangehäuse und exotischem Gestein positioniert die Uhr in einem sichtbar höheren Preissegment der Marke.

Sammler lesen diese formelle Veränderung direkt an den ausgewählten Materialien ab. Es hilft bei der genauen Markteinordnung ungemein, historische Uhrenreferenzen verstehen zu können. Im aktuellen Marktumfeld greifen viele Hersteller in dieser Preisklasse auf einfach veredelte Basiswerke zurück. Ein echtes Manufakturkaliber gepaart mit einem so alten Naturmaterial bleibt außerhalb großer Luxusmarken eine absolute Seltenheit.

Das Armband führt die kühle Materialwahl des Gehäuses konsequent fort. Die massiven Glieder bestehen ebenfalls aus vertikal gebürstetem Titan und verjüngen sich von den 19 Millimeter breiten Anstößen sanft zur Schließe hin. Eine Faltschließe mit einem integrierten Mikroverstellsystem hält das Band fest und sicher am Arm.

Industrielle Strenge schlägt Farbe

Die schwarze Variante der Navygraf Meteorite überzeugt mich durch ihre konsequente Gestaltung. Die grauen Linien des Meteoriten und das matt gebürstete Titan verschmelzen zu einer kühlen, rein industriellen Einheit. Das Gestein darf wirken, ohne grell aufzufallen. Die grüne Fassung erscheint mir dagegen etwas zu stark forciert. Der intensive Farbauftrag lenkt den Blick ab und kämpft optisch hart gegen die ohnehin präsente kristalline Struktur an.

Die feine Verarbeitung des matten Titangehäuses lässt keinen Raum für handwerkliche Kritik. Mein stärkster Einwand richtet sich gegen die langfristige Wartung der stark begrenzten Serie. Das hauseigene Kaliber CMM.10 befindet sich noch sehr früh in seinem Lebenszyklus. Eine Auflage von weltweit nur 150 Stück wirft in der Sammlergemeinschaft berechtigte Fragen zur dauerhaften Versorgung mit spezifischen Teilen auf. Es ist klug, die Servicebedingungen zu kennen, um später einen Kostenvoranschlag der Werkstatt richtig einordnen zu können. Die Uhr bleibt unabhängig davon ein mutiges und technisch tiefes Statement.

Fazit

Die Verbindung aus kühlem Grade-2-Titan und extrem altem Gestein verleiht der funktionalen Werkzeuguhr eine vollkommen neue optische Tiefe. Das komplett in Frankreich gefertigte Manufakturkaliber untermauert den handwerklichen Anspruch der Marke eindrucksvoll. Yema zeigt damit eindrücklich, dass die Navygraf-Linie weit über ihren rein historischen Ursprung

Quellen

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