Zum Inhalt springen

Ressence Type 11 mit erstem Manufakturwerk

Mit der Type 11 verabschiedet sich Ressence von Basiswerken und führt ein vollständig eigens entwickeltes Automatikwerk für das Kreissystem ein.

Autor
Robert Nachama
Veröffentlicht
06.11.2026
Lesezeit
8 Min.
Ressence Type 11 mit erstem Manufakturwerk: Armbanduhr in schwebender Ansicht mit dynamischem Unschärfe-Effekt
Foto: RessencewatchesQuelle, ressencewatches.com

Das erste Manufakturwerk der Belgier

Ressence stellt die Type 11 vor und vollzieht damit den größten technischen Umbau seit der Gründung im Jahr 2010. Das belgische Designhaus verabschiedet sich von modifizierten Basiswerken und führt das erste vollständig eigens konzipierte Kaliber RW-01 ein.

Das neue Werk treibt das rotierende Zifferblattsystem der Marke nun direkt an. Die Neukonstruktion löst den hohen Energiebedarf der kreisenden Scheiben und steigert die Gangkraft spürbar.

Die Ankündigung markiert den endgültigen Übergang von einer mutigen Designschmiede zu einem Produzenten mit voll integrierter Uhrwerksarchitektur. Ein strenger industrieller Ansatz trifft hier auf klassische mechanische Fertigung in der Schweiz. Benoît Mintiens startete die Marke mit dem Konzept, traditionelle Zeiger aus der Uhrmacherei zu verbannen.

Die neue Referenz liefert für diese Philosophie erstmals den passenden mechanischen Unterbau. Das Automatikwerk steuert das Modul nun über 18 integrierte Kugellager aus Titan.

MerkmalAngabe
Durchmesser41 mm
Höhe11 mm
GehäusematerialGrade 5 Titan
GlasSaphirglas
Wasserdichtigkeit30 m
KaliberRessence Werk RW-01
AufzugAutomatik
Frequenz28.800 A/h

Titan und Hebel im Gehäuseboden

Das polierte Gehäuse aus Grade 5 Titan misst 41 Millimeter im Durchmesser und baut 11 Millimeter hoch. Die Distanz von einem Bandanstoß zum anderen liegt bei kompakten 45 Millimetern. Zum ersten Mal greift die Marke bei dieser Silhouette auf konventionelle Bandanstöße zurück.

Uhr im Hochformat mit Bewegungsunschärfe
Uhr im Hochformat mit BewegungsunschärfeFoto: RessencewatchesQuelle, ressencewatches.com

Die bekannte fließende Form bleibt vollständig erhalten, sitzt aber durch die definierten Anstöße ruhiger und zentrierter am Handgelenk. Titan hält das Gesamtgewicht spürbar gering, während hochglanzpolierte Oberflächen die skulpturale Geometrie hervorheben. Ressence verzichtet auch hier auf eine Krone an der Gehäuseflanke, um die Symmetrie aufrechtzuerhalten.

Der manuelle Aufzug und die exakte Zeiteinstellung erfolgen vollständig über den Gehäuseboden. Frühere Modellgenerationen forderten den Träger auf, eine bestimmte Zone auf dem rotierenden Boden zu fixieren und diese mühsam vor und zurück zu bewegen. Die Type 11 führt stattdessen einen ausklappbaren Hebel auf der Rückseite ein.

Dieser Mechanismus erlaubt einen flüssigen, kontinuierlichen Aufzug und macht die mechanische Interaktion greifbar. Ein kleines Fenster aus Saphirglas gibt zudem erstmals bei dieser Gehäuseform den Blick auf Teile des Rotors frei. Die Wasserdichtigkeit gibt der Hersteller mit 30 Metern an. Pressebilder belegen die exakten Gehäuseproportionen und die feine Lichtbrechung an den Kanten, sie ersetzen in der Beurteilung des Tragegefühls allerdings keine Anprobe.

Satelliten und Kugeln als Anzeige

Die gesamte Anzeige nutzt das patentierte Ressence Orbital Convex System. Ein stark gewölbtes Zifferblatt aus Titan mit einem feinen Sonnenschliff trägt drei exzentrisch angeordnete Satelliten. Feste Zeiger, applizierte Indizes oder statische Rahmenelemente sucht man vergebens.

Das Zifferblatt rotiert innerhalb einer Stunde einmal komplett um die eigene Achse und weist die Minuten an einer feststehenden äußeren Skala aus, die einen körnigen Kontrastschliff trägt. Die kleineren Satelliten drehen sich wiederum um sich selbst und zeigen Stunden, laufende Sekunden sowie die verbleibende Gangkraft an. Tief gravierte Vertiefungen nehmen die Super-LumiNova-Leuchtmasse auf und sichern die präzise Ablesbarkeit im Dunkeln.

Eine völlig neu konstruierte Anzeige für die Gangreserve arbeitet mit einer Reihe aus keramischen Mikrokugeln. Beim Aufziehen des Werks erscheinen nach und nach helle Kugeln, während die dunklen in der Versenkung verschwinden.

Diese mechanische Lösung übersetzt den Spannungszustand der Zugfeder in ein direkt erfassbares Bild. Der Verzicht auf eine starre Zahlenskala passt präzise zur Grundidee der ständigen Bewegung. Jeder Blick auf das Handgelenk liefert eine neue geometrische Anordnung.

Zwei Federhäuser für den Antrieb

Das Automatikkaliber RW-01 entsteht in direkter Zusammenarbeit mit dem Schweizer Werkespezialisten Concepto. Die Konstruktion fällt durch eine spezifische dreieckige Architektur auf, die von zwei großen Federhäusern und einer zentral positionierten Unruh bestimmt ist. Das Uhrwerk taktet mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde.

Die Gangreserve erreicht durch das Doppelfederhaus nun volle 60 Stunden. Das ist ein massiver technologischer Sprung für ein Antriebssystem, das permanent große Titanflächen und Modulaufbauten bewegen muss. Das patentierte Anzeigemodul ist nun direkt in den Kraftfluss eingebunden.

Der ausklappbare Hebel am Gehäuseboden überträgt die Kraft wesentlich direkter und verlustärmer an die Federhäuser als die früheren Reibungssysteme. Diese saubere Trennung von Gehäuseboden und Aufzugswelle schont langfristig die empfindlichen Dichtungen. Besitzer, die bei anderen Uhren eine regelmäßige Wartung planen, finden hier eine deutlich robustere Mechanik vor.

Das neue System entlastet die Bauteile spürbar und verringert den mechanischen Verschleiß. Genau 40 Rubine und 67 feingeschliffene Zahnräder ordnen die komplexe Übersetzung im Inneren des Gehäuses.

Abschied vom modifizierten Basiswerk

Benoît Mintiens dekonstruierte die etablierte Zeitanzeige bereits mit der allerersten Uhr seiner Marke. Die praktische Umsetzung verließ sich in der Vergangenheit jedoch notgedrungen auf bewährte Schweizer Basiskaliber, meist stark modifizierte Versionen des ETA 2824-2 oder 2892-2.

Die Energie dieser Basiswerke wurde über mechanische Achsen oder magnetische Übertragungen an das massive Anzeigemodul geleitet. Der immense Kraftaufwand für die dauerhafte Rotation zwang die Vorgängermodelle oft auf eine knappe Laufzeit von 36 Stunden. Optisch positioniert sich die neue Type 11 passgenau zwischen der extrem flachen Type 1 und der puristischen Type 8.

Technisch trennt sie jedoch ein Systemwechsel von all ihren Vorgängern. Ressence betrachtet das Basiswerk und das Modul verschmilzt sie von Grund auf zu einer integrierten Architektur.

Die Marke löst damit ihr zentrales konstruktives Nadelöhr. Die Ausführung hebt das Modell in ein ambitioniertes Marktumfeld, untermauert diesen Anspruch aber durch eine belastbare eigene Ingenieursleistung.

Antriebsstärke mit begrenzter Druckresistenz

Die Type 11 behebt den offensichtlichsten Kompromiss der bisherigen Markengeschichte. Ein System, das derart massive Metallscheiben dreht, benötigt zwingend ein Antriebswerk, das von der ersten Skizze an auf diese spezifische Last berechnet wurde. Das Kaliber RW-01 liefert die erforderliche Kraft nun solide ab.

Die auf 60 Stunden erhöhte Gangreserve macht die Uhr alltagstauglich, während die ungewöhnliche Kugelanzeige ein trockenes mechanisches Problem äußerst charmant löst. Ein klarer Einwand bleibt bestehen.

Eine Wasserdichtigkeit von 30 Metern ist für ein Titangehäuse, das an einem sportlichen Kautschukband oder einem leichten Milanaise-Geflecht ausgeliefert wird, ein knapper Wert. Träger müssen beim Händewaschen oder bei starkem Regen weiterhin genaue Vorsicht walten lassen. Die Spezifikationen des Werks und die angemeldeten Patente sprechen unterm Strich dennoch eine eindeutige Sprache.

Die Gewissheit in vielen Foren, eine moderne Ressence trage ohnehin nur ein schwer atmendes Großserienwerk unter der Haube, beendet der Hersteller mit dieser Veröffentlichung faktisch. Die Uhr steht technisch endlich auf exakt dem Fundament, das ihr Design seit Jahren verspricht.

Häufig gestellte Fragen

Wie funktioniert die Zeitanzeige der Ressence Type 11?
Die Uhr nutzt das patentierte ROCS-Anzeigemodul. Dabei rotieren Satellitenscheiben auf einem gewölbten Zifferblatt, um Stunden, Minuten, Sekunden und die Gangreserve ohne klassische Zeiger darzustellen.
Die Manufaktur verbaut erstmals das selbst entwickelte Automatikkaliber RW-01. Es arbeitet mit zwei Federhäusern und treibt das schwere Anzeigemodul direkt über 18 integrierte Kugellager an.
Der Aufzug erfolgt über einen ausklappbaren Hebel auf der Rückseite. Dieser Mechanismus ist direkt in den Gehäuseboden aus Titan integriert und erlaubt eine flüssige Bedienung.

Fazit

Ressence schließt mit dieser Konstruktion die Lücke zwischen avantgardistischer Zifferblattgestaltung und technischer Basis. Der neue Antrieb beweist, dass sich das belgische Haus endgültig als ernsthafter Entwickler hochkomplexer Mechanik etabliert.

Quellen

Artikel teilen
XLinkedIn

Wir verwenden notwendige Cookies für den Betrieb der Website. Mit Ihrer Einwilligung nutzen wir zusätzlich Google Analytics, um die Nutzung der Website auszuwerten. Ihre Auswahl können Sie jederzeit unter Cookie-Einstellungen im Footer ändern. Mehr erfahren